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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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als oberer Abschluss Zinnen und Bogenkränze. Derselbe ener-gische Sinn spricht sich dann auch an andern Gebäuden öffentlichstädtischen Zweckes aus. Anlagen, an denen die schmückendeAusstattung als das Ueberwiegende erscheint, sind unter denBauten dieser Gattung (im Gegensatz geo-en das bei den KirchenBeliebte) nicht häufig.

Unter den bürgerlichen Bauten von Floren z ist der P a 1 az z ovecchio 1 ein vorzüglich charakteristisches Beispiel derartigenKastellbaues. Er wurde seit 1298 als Pallast der Signorie, derkurz zuvor eingeführten Oberbehörde der Republik , die zurkriegerischen Befestigung ihres Sitzes allen Grund hatte, durchArnolfo erbaut: eine völlig burgähnliche Masse, oberwärts mitSpitzbogenfenstern von massiger Grösse und nicht regelmässigerAnlage, bekrönt von einer geschlossenen Gallerie, die, zur Ver-theidigung bestimmt, über Consolenbögen vortritt, überragt voneinem schlanken, mit ähnlicher Gallerie versehenen Thurme.Alte Rundbogenarkaden im Hofe (von Arnolfo oder von Orcagna ?)entsprechen der Pfeilerformation im Mittelschiffe des Domes.Jünger, doch ebenfalls nur ein malerischer Kastellbau, ist derPalazzo del Podestä (oder del Bargello), 1345 nachdemPlane des Malers Angelo Gaddi gebaut.

Ein eigenthümliches Gebäude ist Or S. Micchele 2 zuFlorenz . Es war als städtischer Kornspeicher (Horreum, ab-gekürzt inOr), durch Arnolfo aufgeführt, 1304-durch Branderheblich beschädigt und darauf, zunächst unter Leitung desMalers Taddeo Gaddi , erneut worden: von nicht erheblicherGrundfläche, dreigeschossig, im Parterre mit offner Rundbogen-halle, darüber mit zwei Geschossen ansehnlicher Spitzbogenfen-ster. Die Pest des Jahres 1348 gab Veranlassung, die untereHalle zur Kirche, unter dem oben angeführten Namen, umzu-schaffen; dies geschah durch. Orcagna . Die offnen Bögen derHalle wurden durch reiche Maasswerkarkaden über schlankeneckigen Säulen, doch zugleich mit Mauern zwischen den letzte-ren, ausgesetzt; das Maasswerk in zierlich reicher Verschlingungseiner Bögen, etwa nach giotteskein Muster, aber durch Blatt-füllungen in sehr eigenthümlicher Behandlung. SpitzbogigeTabernakelnischen am Aeussern der Zwischcnpfeiler fügten derAnlage einen noch reicheren Schmuck hinzu.

Dem Pallast der florentinischen Signorie gegenüber wardseit 1376 eine grossartige offne Halle zur Vollziehung derjenigenöffentlichen Acte, welche vor dem versammelten Volke geschehenmussten, errichtet. Dies ist die später sogenannte Loggia de

s ^"Ijean de Montigny, arcli. toscane, pl. 81. Wiebelting, II, t. fi7.Miebeking, II, t. 70. Hope, essay on architecture, t. 79. liunge u. Rosen-garten, arch. Mittheilungen über Italien, Heft II, 111. 6.

Kngler, Geschichte der Baukunst. III.

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