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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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Hofanlage ausgezeichnet: iin Untergeschoss ringsum eine offneSäulenhalle mit breiten Spitzbögen; im Obergeschoss grosseArkadeufenster in runclbogigem Einschluss, die Arkadensäulchenmit kleinen gebrochenen Spitzbögen, die grossen Bogenschildermit schmuckreichen Rosetten; darüber eine ansehnliche Zinnen-krönung. Die zweite dieser Residenzen ist der alte Theil desSchlosses von Mantua , 1 aus dem Beginn des 14. Jahrhunderts.Er öffnet sich im Erdgeschoss ebenfalls durch eine spitzbogigeSäulenhalle und hat oberwärts, über einem kleinen (verbauten)Zwischengeschoss, stattliche Spitzbogenfenster, die in eigenthüm-licher Behandlung, aus Ziegeln und Haustein ausgeführt, eineEinwirkung venetianischer Dekorationsweise verrathen.

Ihnen reiht sich der Dogenpallast von Venedig 2 an.Dies ist ein weiträumiger und verschiedenzeitiger Bau, der, andie Südseite der Markuskirche anstossend, den Raum zwischenletzterer, der Piazetta, dem Molo und einem kleinen Seitenkanal(Rio di Palazzo) umgiebt, an der Piazetta 230 Fuss, am Molo220 F. lang. Die älteren Theile des Vorhandenen gelten ins-gemein als ein Werk des Filippo Calendario , der alsTheilhaber der bekannten Verschwörung des Dogen MarinoFalieri gegen die Uebergewalt der venetianischen Aristokratieim J. 1355 hingerichtet ward. Man schreibt ihm die Anlagedes südlichen, am Molo belegenen Hauptflügels zu; der schmaleFlügel, welcher von diesem an der Piazetta bis zur Markuskirchehinlauft und allerdings das System des Fa^adenbaues genaufortsetzt, sei in späterer Zeit hinzugefügt. a Auch hier erscheintim Erdgeschoss eine offne Spitzbogenhalle, auf schweren undkurzen Säulen, die ein reiches, zumeist mit figürlicher Sculpturversehenes Blattkapitäl tragen. Darüber jedoch ist eine hoheGallerie angeordnet, mit leichteren Säulen und prächtigem durch-brochenem Rosettenmaasswerk über den Bögen, gleich der unterenHalle rings um beide Fa<jaden laufend, den eigenthümlichstenReiz luftiger Bewegung, den Genuss mannigfaltiger Aus- undEinblicke gewährend. Erst über der Gallerie erhebt sich die

1 Street, p. 183, f. 2 Le fabbriclie piü cosp. di Venezia, II. Wiebeking,I, t. 41. II, t. 68. Chapuy, moy. äge mon., No. 22, 46, 54, 153, 301, 336.J Selvatico sulla architettura ecc. in Venezia , p. 125, setzt den ganzen Bau,auf Grund einer urkundlichen Notiz und chronikalischer Nachrichten, erstnach 1424. Ich muss den Sachverhalt einstweilen dahingestellt lassen, be-merke jedoch, dass die Porta della Carta vom J. 1439 (s. unten) um ein sehrErhebliches jünger erscheint als. das System, welches dem Uebrigen zu Grundeliegt. Parker will den Oberbau des Pallastes gar erst in das 16. Jahrhundertsetzen. Ueber die zur Erhärtung dieser Ansicht veröffentlichte Darstellung desDogenpallastes vom Ende des 14. Jahrhunderts vergl. meine Bemerkungen inBd. II, S. 41, Anmerkung.