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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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(zum Theil modernisirte) Faijade der Kathedrale von Messina und die der dortigen Kirche S. Maria della Scala, beide ausder mittleren Zeit des 14. Jahrhunderts, verbinden hiemit eineBehandlungsweise, die einigermaassen an toskanische Motive er-innert.

Die Westseite der Kathedrale von Palermo , seit demBeginn des 14. Jahrhunderts erbaut, mit Reminiscenzen desphantastischen Styles, der an den älteren Theilen des Gebäudesherrscht (Thl. II, S. 112), erscheint in der dekorativen Austhei-lung von lokalen Bedingnissen abhängig. Ihr Portal, mit buntenSäulenschäften, reicher Bogengliederung und kräftiger Umrah-mung, ist vom J. 1421. Das ähnliche Portal der Südseite, 1 vomJ. 1426, hat eine weite Vorhalle, mit Säulen und stark über-höhten Spitzbögen in der Disposition der Arkaden der normanischsicilischen Epoche, die im ,1. 1450 zur Ausführung gekommen.

Die Kirche S. Maria degli Angeli (la Gangia) zu Pa­ lermo , seit 1430 erbaut, hat, abweichend von den übrigen Mo-numenten, durchgängig die Form des Halbkreisbogens, in einerfeinen und edlen Gliederung, die zumeist etwa der Behandlungs-weise derjenigen schottischen Monumente gothischen Styles, welchemit rundbogigen Oeffnungen versehen sind, entspricht. Andrespätgothische Kirchen von Palermo , bis in das 16. Jahrhunderthinab, verharren bei der Form des Spitzbogens: die Kirche desSpedale grande, seit 1433, die Ruine von S. Maria delloSpasimo, 1506, die Kirche S. Maria delle grazie (delleripentite) seit der Zeit um 1512.

Ein Paar Palläste zu Palermo , vom Anfänge des 14. Jahr-hunderts, zeigen eine Nachahmung jener muhamedanischen Pal-läste, deren Behagen schon den ersten normanischen Herrschernlebhaft genug eingeleuchtet hatte. (Vergl. Thl. I, S. 511.) DerPalazzo Chiaramonte (jetzt Pal. dei Tribun ali), 1307 aufden Fundamenten einer sarazenischen Villa erbaut, erinnert inseiner ursprünglichen Anlage an das bauliche System der Kuba .Der Pal. Salafano (jetzt Ospedale grande), aus derselbenZeit, hat im Aeusseren Wandpfeiler, mit wechselfarbigen, sichdurchschneidenden Spitzbögen, in deren Einschluss spitzbogigeArkadenfenster und allerlei musivisches Rosettenwerk liegen.Jüngere Palläste, ebendaselbst, haben dagegen einen mehr nor-dischen Charakter. So der Pal. Aiutami-Cristo, vom Jahr1485, mit offner flachbogiger Säulenhalle im untern Geschoss

1 Denkmäler der Kunst, T. 58 (7).Kugler, Geschichte der Baukunst. III.

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