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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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Kap. I. Der monumentale Sinn der italienischen Architektur.

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gewanderte florentinische Verbannte. Für bestimmte Zwecke wurdebisweilen a furia über- Hals und Kopf gebaut und die Expropria-tion sehr theuer bezahlt.

Der grosse Federigo von Montefeltro. Herzog von Urbino(st. 1482), Kenner der Architektur, baute ausser vielen Festungenseinen berühmten Palast, welcher als einer der vollkommenstenseiner Zeit galt. 1 -

§ 7.

Monumentaler Sinn Papst Nikolaus V.

In dem zerrütteten Rom erhoben sich die ersten Päpstenach dem Schisma kaum über Reparaturen. In Nikolaus V. (14471455) aber war Hauen und Büchersammeln zu Einerübermächtigen Leidenschaft gediehen, zu deren Gunsten derPapst selber erhabene sowohl als praktische Gesichtspunktegeltend machte. 2 Ausser vielen Bauten in Landstädten sind diefünf grossen, nur geringstentheils ausgeführten Projecte für Rom zu erwähnen: Herstellung der Stadtmauern und der vierzig Sta-tionskirchen, Umbau des Borgo zur Wohnung für die gesammteCurie, Neubau des Vatikans und der Peterskirche.

Die Motive waren nach dem Biographen: Ehre und Glanzdes apostolischen Stuhles, Förderung der' Devotion der Christen-heit und Sorge für den eigenen Ruhm durch unvergängliche Bauten.Laut der eigenen Rede des Papstes an die um sein Sterbebettversammelten Cardinäle : das monumentale Bedürfniss der Kirche,nicht in Betreff der Gelehrten, welche Entwickelung und Notb-wendigkeit der Kirche auch ohne Bauten verständen, wohl abergegenüber den »turbae populorum«. welche nur durch Grössedessen, was sie sehen, in ihrem schwachen und bedrohten Glaubenbestärkt werden könnten. Dazu dienten besonders ewige Denk-mäler, die von Gott selbst erbaut schienen. Die Festungen imganzen Staat habe er errichtet gegen Feinde von Aussen undgefährliche Neuerer im Innern. 3 »Hätten wir Alles, Kirchen und»andere Bauten, vollenden können, wahrlich Unsere Nachfolger»würden mit grösserer Verehrung aller Christenvölker angebetet»werden und sicberer vor innern und äussern FMinden in Rom »wohnen. Also nicht aus Ehrgeiz, aus Prachtliebe, aus leerer»Ruhmsucht und Begier, Unsern Namen zu verewigen, haben»Wir dieses grosse Ganze von Gebäuden angefangen, sondern zur»Erhöhung des Ansehens des apostolischen Stuhles bei der ganzen»Christenheit und damit künftig die Päpste nicht mehr vertrieben,

1 Vespasiano fiorentino, p. 121, s. p. 146. Vgl. Cultur der Renaissance,S. 44, 221. An dem Palast könnte er leicht selber das Meiste gethan haben. 2 Vitae Paparum, bei Murat. III , II, Col. 925, ss. bes. 949. Platina ,in vita Nicol. V. 3 Vgl. Cultur der Renaissance, S. 105, 180, 188.