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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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I. Buch. Renaissance in Italien . A. Architektur.

§. 48.

Die Gewölbe der Frührenaissance.

Das Erste und Bezeichnendste ist der Widerwille der Renais-sance gegen das Kreuzgewölbe, dessen wesentlichster Vortheil jetztallerdings wegfiel, da oblonge Räume, für deren harmonischeBedeckung es so wesentlich ist, entweder nicht mehr gebildetoder mit andern Gewölben bedeckt wurden.

Das Gothische des Nordens hatte seineeigenthümlichsteSchönheit in oblongen Raumeintheilungen entwickelt. Vielleichtist das oblonge Kreuzgewölbe an sich schöner als das quadra-tische. Nun braucht man das Kreuzgewölbe fortwährend, aberverhehlt. Der einzige Florentiner, der es in seinen meisten Kir-chen offen anwendet, Baceio Bintelli, (§. 76 u. 77) geräth damitin Nachtheil gegen die Gotliik, schon weil er das kräftig spre-chende Gurtwerk entbehrt. Der letzte, welcher mit Gurtwerkund mit oblongen, quer über ein Kirchenschiff laufenden Kreuz-gewölben eine leichte und edle Wirkung erzielt, ist Dolcebuono im Monastero maggiore zu Mailand , um 1500. (§. 23 u. 76.)Aechte Kreuzgewölbe derselben /eit (?) auch noch im Apparte-inento Borgia des Vaticans.

Der eigentliche Lebensausdruck des gothischen Gewölbeswaren die aus den Pfeilern emporsteigenden Gurte und Rippen,zwischen welchen die Kappen nur als leichte Füllungen einge-spannt wurden. Für die Renaissance, welche über den Stützenein antikes Gebälk herrschen lässt, und überhaupt alle schwe-benden Theile durch starke Horizontalen von ihren Trägerntrennt, ist das Gewölbe eine deckende Masse. Der strengereDetailausdruck derselben ist die römische Cassette; den reichernAusdruck übernimmt eine rasch und hoch entwickelte decorativeKunst. (§. 171.) Letztere ist eine besondere Todfeindin desKreuzgewölbes in seiner strengen Form; dagegen kann sie sichin das verhehlte, in der Mitte zur sphärischen Fläche ausgebil-dete sehr gut schicken.

Die Gassetten jeder Art, auch die sich concentriscli verjün-genden, rechnete Alberti 1 auf dem Papier aus, selbst für sechs-seitige und achtseitige Räume und ermittelte deren Ausführungin Ziegel und Stucco . (§. 173.) Seine Cassetten in der Bo-genleibung der Thür von S. M. novella vielleicht die frühestender modernen Kunst? Die Darstellung der Cassetten iii Stuccoscheint dann Bramante besonders vervollkommnet zu haben . 2Statt aller Gurten und Rippen jetzt bald nur Ränder.

1 1. c. L. VII, c. 11. 2 Vasari VII, p. 136, 139. v. ili Bramante .