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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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Kap. XV. Die Gärten.

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XV. Kapitel.

Die Gärten.

§. 123.

Gärten unter (1er Herrschaft des Botanischen .

Die Gärten der Paläste und besonders der Villen warenohne Zweifel frühe in regelmässige Linien, vielleicht in strengemBezug auf das betreffende Gebäude angeordnet. Wenn ihrerkünstlerischen Behandlung Anfangs etwas im Wege stand, sowar es das botanische Interesse oder die Absicht auf Nutzbar-keit. (Vgl. Cultur der Renaissance, S. 287. Der Garten dermediceischen Villa Careggi zur Zeit des Lorenzo magnifico alsSammlung zahlloser einzelner Gattungen von Bäumen und Sträu-chern geschildert.)

Der prächtige Garten von Poggio reale bei Neapel vomKronprinzen Alfons (§. 118) angelegt, der 1495 noch als fliehen-der König der Botanik huldigte, indem er nach seinem Asyl.(Sicilien) »toutes sortes de graines pour faire jardins« mitnahm. 1Ausser dem Palast eine Menge kleinerer Zierbauten, kleineWiesen, Quellen, Bäche, antike Statuen; ein geschlossener Parkmit allen Fruchtbäumen, die das Klima erlaubt, mit Lorbeern.Blumen und endlosen Rosenpflanzungen; dann ein besonderesWildgehege, Ställe, Meiereien, Weinpflanzungen mit Reben allerSorten und riesigen gewölbten Kellern. Offenbar überwog dieOekonomie für den Bedarf des Hofes und für den Blumenver-brauch bei Festen nebst der botanischen Liebhaberei das Künst-lerische bei Weitem.

Auch im Vorgarten des vaticanisclien Palastes, wie ihn Nico­ laus V. um 1450 haben wollte, sollten »herbae et fructus« allerArt nebst Wasserwerken ihren Platz finden. 2

Im Palastgarten zu Ferrara , welchen Ercole I. (gest. 1505)wahrscheinlich in den 1480er Jahren eilig anlegen Hess, fehltezwischen den regelmässigen Buchshecken, den Weinlauben aufMarmorsäulen, den gemalten und vergoldeten Pavillons und demBrunnen mit sieben Mündungen doch kein schöner und keinfruchtbarer Baum, so dass sich auch liier der Nutzgarten zu er-

1 Comines, L. VII, ch. 11 oder Charles VIII . eh. 17. Die Ilauptschilde-

rung aus dem Vergier dhonneur, wörtlich hei Roscoe, Leone X, ed. Bossi,Tom. IV, p. 22G, s. 2 Vitae Papar. bei Murat. 111, II. Col. 932.