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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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279
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Kap. VI. Die Fagadenmalerei.

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Verona besitzt aussei - mehreren andern Fagaden das vielleichtwichtigste Werk dieser Art: Casa Borelia von Mantegna , gold-farbige Pilaster mit Arabesken, davon eingefasst historische Dar-stellungen mit blauem Grunde; Fries mit Festons und Putten etc.

Daneben ein grosser Reichthum von Abstufungen und oftganz herrlich wirkenden Combinationen : Farbigkeit der Einzel-figuren und der historischen Scenen, oder letzterer allein; dazudas Decorative in zweierlei Steinfarbe, so dass z. B. die fingirteArchitektur röthlich, die fingirte Sculptnr weiss dargestellt ist;oder erstere weissgrau, letztere, zumal Statuen, Gefässe und Tro-phäen gold- oder erzfarbig; höchst unbefangene Behandlung derFestons, bald mehr ideal und steinfarbig, bald realistisch undnaturfarbig in Laub und Früchten. — Vielleicht die schönstenfarbigen Fagaden an zwei kleinen Häusern auf Piazza dell’ Erbezu Verona . — Sodann Abwechslung vollfarbiger und steinfarbigerPartieen je nach Stockwerken oder je nach der Bedeutung derbetreffenden Mauerfläche. Endlich die einfarbige Malerei, Chia-roscuro, pitture di terretta, in einer beliebigen Farbe; ausser graukommen auch grün, rotli, violett, goldbraun etc. vor, bisweilennach Stockwerken und nach einzelnen Theilen derselben wechselnd.

- Zuletzt das Sgraffito, s. oben.

Rafael und seine Schule, zumal die grossen Fagadendecora-toren Polidoro da Caravaggio und Maturino, verliehen der Farb-losigkeit das Uebergewicht und vollendeten denjenigen Styl derfigürlichen Darstellung, welcher eine gemalte Plastik darstellt,ohne sich doch knechtisch den strengem Voraussetzungen derletztem zu fügen. — Victorien, Abundantien etc. an der Tiber-seite der Farnesina, grau in grau, von rafaelischer Erfindung; —Fries mit der Geschichte der Niobe an einem Hause in Rom ,von Polidoro, grau in grau mit Ausnahme des goldbraunen Götter-bildes in der Mitte.

§. 165 .

Aussagen der Schriftsteller.

In den Gegenständen hielt sich die Fagadenmalerei die ganzegute Zeit hindurch sehr frei von aller sachlichen Knechtschaft,indem dieselben Einen grossen decorativen Eindruck in reicherGliederung hervorzubringen, nicht philosophische oder poetischeGedanken zu verwirklichen hatten.

Letzteres kommt früh genug mit Anbruch der schlechtenZeit, wo sich dann Vasari mächtig wundert über die Tendenz-losigkeit eines Giorgione, dem man erlaubt hatte, lauter Schön-heit und Leben auf die Mauer zu malen, Dinge, die Niemandmehr zu erklären wusste. Vasari glaubte es besser zu verstehen