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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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II
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Vorwort.

ausserdem eine Zeit wie die unsere, deren eigentliche architek-tonische Aufgaben auf dem Gebiete des Profanbaues liegen, ausden französischen Renaissancebauten, die für verwandte Bedürf-nisse und unter ähnlichen klimatischen Verhältnissen geschaffenwurden. Manches lernen kann, versteht sich von seihst.

In der Darstellung habe ich. da das Beschreibende nothwendigdabei überwiegen musste, mich bemüht, so kurz und so klar,so genau und so anschaulich wie irgend möglich zu verfahren.Hleichwohl fühle ich, dass ohne bildliche Darstellung mein Zwecknur mangelhaft erreicht werden kann. Eine Reihe bezeichnenderIllustrationen, grösstentlieils von Herrn Architekt Baidinger aufden Holzstock übertragen, ist desshalb hinzugefügt worden, Einigesdarunter ganz neu nach Photographieen, Anderes nach gütig mirüberlassenen Reiseskizzen meines Ereundes G. Easius ausgeführt.Die Verlagshandlung hat meinen Wünschen dabei wie immer indankenswerther Liberalität Rechnung getragen. Im Uebrigen ver-weise ich auf die zahlreichen, werthvollen Publicationen französi-scher Architekten und Stecher seit du Cerceau bis auf die neuesteZeit, besonders noch auf die neuerdings durch M. Destailleurbegonnene neue Ausgabe von du Cerceairs bekanntem Haupt-werk. (Paris A. Levy.)

Da meine Darstellung der erste Versuch einer selbständi-gen. erschöpfenden Behandlung dieses Gegenstandes ist, so wirdeine billig abwägende Kritik diess gewiss mit in Anschlag bringen.Hoffentlich wird sie weder gewissenhaftes Studium, noch dasernste Streben nach objectiver Würdigung des Kunstwerthes dergeschilderten Werke vermissen. Der heutigen Architektengene-ration ist aber, so dünkt mich, das gründliche Studium derRenaissance vor Allem desshalb ans Herz zu legen, weil wir geradeaus den Schöpfungen jener Epoche lernen können, wie eine überden blossen Eklekticismus hinausreichende Architektur mit hoher1reiheit die Summe klassischer Eormüberlieferung nur dazu ver-wendet, um dem geistigen Wesen und den praktischen Bedürf-nissen der eigenen Zeit und des eigenen Volkes das wohlange-passte, ausdrucksvolle Kleid zu schaffen.

W. Lübke.