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4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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II. Buch. Renaissance in Frankreich .

Unter den 40 Malern, die ausserdem erwähnt werden, istnur Andrea de Solario 1 von hervorragender Bedeutung. Alleübrigen haben bloss mit dem Vergolden und Bemalen der archi-tektonischen und dekorativen Tlieile zu tlmn. Der Aufwand fürdiese Arbeiten, die häutige Erwähnung von Gold, Azur undandern kostbaren Farben beweist aber den Umfang und dieBedeutung dieses malerischen Schmucks. Für die Ausführungder Fenster und ihrer Glasgemälde sind fünf Glasmaler 1 2 an-gestellt. Als Verfertiger der kostbaren geschnitzten Chorstühle 3werden Pierre Cornedieu, Jehan Dubois und liichart Delaplace.sowie liichart Guerpe genannt. Ausserdem fehlt es nicht anErzgiessern, Kunstschmieden, Bleiarbeitern, Goldschmieden, undendlich werden fünf Miniaturmaler (»enlumineurs«) genannt, diefür die Bibliothek von Gailion thätig waren.

§. 15.

Denkmäler zu Rouen .

Von den zu Gaillon beschäftigten Künstlern gehörte dieMehrzahl der alten bedeutenden Schule an, welche in der Haupt-stadt der Normandie während des ganzen Mittelalters in Blütliestand. Dass in diesem künstlerischen Mittelpunkt nicht mindererhebliche Arbeiten ausgeführt wurden, erfuhren wir schon ausden Rechnungen von Gaillon ; aber von dem erzbischöflichenPalast sowie von dem Sitze der Aebte von St. Ouen ist nichtsübrig geblieben. Die verschwenderische Prachtdekoration an derFayade der Kathedrale und an St. Maclou, obwohl in dieserEpoche entstanden, haben wir hier zu übergehen, da sie durch-aus noch die Sprache des gothischen Styls redet. Dagegen istEiniges von Profanbauten erhalten, das den Uebergangstyl dieserZeit, in welchem die alte und die neue Kunst wetteifern, zurvollen Erscheinung bringt. Hierher gehört vor Allem der Justiz-palast, 4 von dem der linke Flügel und der grösste Theil desMittelbaues, seit 1493 aufgeführt, alt ist, während das Uebrige,besonders der symmetrische Abschluss durch einen rechten Flügel,der neuen trefflichen Restauration angehört. Ungemein reich istbesonders der Mittelbau. Einstöckig über einem niedrigen Erd-geschoss mit flachbogigen Fenstern, erhebt er sich mit seinengradlinig geschlossenen Fenstern, die aber eine elegante flach-bogige Einfassung haben. Reich entwickelte Strebepfeiler, mithohen schlanken Fialen bekrönt, theilen die Fläche; eine Daeli-

1 Beville, p. CXXXY fg. 2 Ebend. p. CXXXYII fg. 3 Ebend.

p. CXXXIX ff. 4 Taylor et Kodier, Yoyages. Normandie , Yol. II, pl. 164.

165. 166.