Buch 
4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
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62
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II. Buch. Renaissance in Frankreich .

Bruder Ludwigs XIII, welcher von 1G351GGO durch Mansartden westlichen Flügel ahreissen und mit dem pompösen, abernüchternen Bau vertauschen liess, den man jetzt noch sieht. DieRevolution übte ihre Zerstörungslust auch an diesem Prachtbau,und es fehlte nicht viel, dass derselbe im Jahr 1793 mit so man-chem andern bedeutenden Monument der Erde gleich gemachtworden wäre. 1 Später wurde das Schloss zur Kaserne herab-gewiirdigt, und erst seit 1841 erlebte es die treffliche Wieder-herstellung durch F. Duban, in der man es jetzt bewundert.

§. 19.

Schloss Chambord .

Wenn man den Reichthum der Ideen, die Mannigfaltigkeitder Erfindungen dieser schöpferischen Zeit schätzen will, so mussman die ausserordentliche Verschiedenheit in Anlage und Aus-führung der einzelnen Schlösser betrachten. Sprächen die deko-rativen Formen nicht unzweideutig, so würde man kaum glauben,dass das phantastische Schloss von Chambord 2 zu derselbenZeit und für denselben Fürsten errichtet wurde, wie der edleBau von Blois . Chambord liegt einige Meilen von Blois undder Loire entfernt in einer öden sandigen Gegend, deren Ein-druck um so trübseliger ist. wenn man kaum die lachenden Uferder Loire verlassen hat. Nur die Jagdlust Franz I gab Ver-anlassung, in dieser Einöde ein so grossartiges Schloss zu bauen.Das Schloss erhebt sich wie eine Fata Morgana, in einem jetztverwilderten, von einer Mauer umzogenen waldigen Gehege vonbedeutender Ausdehnung. Schon im frühen Mittelalter lag hierein kleines Jagdschloss der Grafen von Blois , in dessen Xähespäter die Mutter Franz I das Schloss Ilomorantain bewohnte.Der König, der eine innige Anhänglichkeit an die Stätten seinerJugend bewahrte, begann um 152G den Bau dieses mächtigen

1 Von dem Geist, in welchem man damals die historischen Denkmälerbetrachtete, giebt die «Voyage dans les departements de la France par leCitoven la Vallee» Zeugniss. 'I)er gesinnungstüchtige citoyen sagt vom Schlosszu Blois : «II fut louvrage de vingt mains, et il semble que les rois sesoient acliarnes ä qui le defigureroit le mieux. Tour-ä-tour il epuisa lemauvais goüt de Louis XII, de Francois I , de Henry II. de Charles IX , deHenry III , de Henry IV; et tous ces messieurs, de pere en fils, par lasötte vanite de vouloir se mieux loger que leur pere sont parvenus ä nenfaire quun amas de pierres, sans choix et sans gräce, et que les steriles ad-mirateurs des sottises royales trouvent superbe.» L. de la Saussaye, hist, duchät. de Blois. p. 351.

2 Aufn. bei Du Cerceau , T. I. Berty, renaiss. T. II und Gailhabaud,Denkm. der Bank. Bd. IV. Das Geschichtliche bei L. de la Saussaye, lechäteau de Chambord. Lyon 1859 und dess. Verf. Blois et ses environs. p. 247 ff.