Buch 
4 (1867) Geschichte der neueren Baukunst / von Jacob Burckhardt und Wilhelm Lübke
Entstehung
Seite
68
JPEG-Download
 

cs

II. Buch. Renaissance in Frankreich .

Chambord bietet. Franz I liess es in der Nähe von Paris mittenim Bois de Boulogne seit 1528 etwa errichten. 1 Fs erhielt all-gemein den Namen Madrid , nicht wie man wolil gemeint hat.in Erinnerung an die Gefangenschaft des Königs oder gar inNachahmung eines in der Hauptstadt Spaniens befindlichenSchlosses; mehr Wahrscheinlichkeit hat die Ansicht, dass dieserBeiname durch den Spott der Ilofleute entstanden sei, wennder König sich mit wenigen intimen Gefährten dem Ilofe entzog,um in dem Schloss des Boulogner Gehölzes seiner Müsse zu leben.Von diesem Prachtbau, der mit dem feinsten Kunstsinn angelegtund ausgestattet war. ist kein Stein auf dem andern gehliehen.Hie Hevolutionszeit hat ihn dem Erdboden gleich gemacht. Nurden Aufnahmen Du Cerceairs verdanken wir eine genauere Kennt -niss desselben.

Das Schloss Madrid 2 war das was die Franzosen ein Manoir(maneriumj nennen, d h. ein kleineres, ohne Tliürme und Donjon errichtetes ländliches Wohnhaus, dem in der Ilegel auch der iloffehlt. Ganz so verhielt es sich mit diesem Schloss (Fig. 15).Es bildete ein Hechteck von 250 Fass Breite hei 95 Fuss Tiefe.Auf den vier Ecken erhoben sich vortretende quadratische Pavil-lons; zwei viereckige Treppentlmrme theilten die beiden langenFahnden in drei gleiche Theile, während an den schmalen Seitensich in der Mitte ein runder Treppenthurm erhob. Zwischendiesen Treppenthürmen und den Pavillons sind auf Pfeilern mitvorgelegten Halbsäulen in den beiden Hauptgeschossen Arkadenlierumgeführt, genügend geräumig, um eine leichte Communicationzu gestatten, aber nicht so tief, um den grossen mit doppeltenKreuzstäben versehenen Fenstern das Licht zu verkümmern. Dermittlere Tlieil der beiden Hauptfagaden hat dagegen in ganzerBreite eine Treppe A. welche zu einem weit zurückspringendenBogengang von beträchtlicher Tiefe (12 Fuss) führt. Diese statt-lichen Hallen bilden den Zugang zu dem grossen Saal, der mitseiner Länge von ca. G5 Fuss und seiner Breite von 28 Fussden ganzen mittleren Tlieil der Anlage einnimmt. Dieser Saalwiederholt sich mit seinen Arkaden im oberen Hauptgeschoss.Es folgt dann ein kleineres Geschoss, dessen Gemächer durchdie auf den untern Arkaden ruhende Terrasse mit einander ver-bunden sind; endlich ein viertes Stockwerk, welches gleich demvorigen von massiger Höhe ist und. wie jenes. Gastzimmer ent-hielt. Ausserdem war ein niedriges Erdgeschoss, halb unter-irdisch, mit mächtigen Gewölben angebracht, das die Küchen

1 In dem königlichen Erlass vom 28 Juli 1528 wird ausser Fontainebleau auch das Schloss von Boulogne unter den auszuführenden Bauten genannt.I)e Laborde, la renaiss. T. I, p. 337. 2 Aufn. bei Du C'erceau, T. I; vgl.

dazu Yiollet-le-Duc, Entretiens I, p. 353 ft