Der byzantinische Kunststyl.
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den Angelpunkt, um welchen daS neue System sich drehte. Die frühern geradlinigen Formen undhorizontalen Gliederungen traten mehr und mehr zurück und machten dem Bogen, der Halbkreisform,Platz, der überall angebracht wurde, wo eS die Construction nur irgend zuließ. Besonders bezeichnendist eS, daß von nun an der Gurtbogen die Stelle des ArchitravS vertritt. Der Gesammtcharakterwurde dadurch unmcrklich ein anderer; Bogen und Gewölbe begünstigten daS sich bildende aufstre-bende Princip, womit die in allmäligcn Uebergängen stattfindende Verwandelung der Säulen inPfeiler in Verbindung stand.
Ein Hauptkennzeichen dieses ersten christlichen Baustyles ist der Kuppelbau, dessen Anwendungbei den Kirchenbautcn von großem Einflüsse, sowohl auf die äußere Form, als auch auf den Cha-rakter deö Bauwerkes überhaupt werden mußte. Diese Kuppeln stützten sich auf kräftige, meist frei-stehende Pfeiler, die oben durch Bogen verbunden waren und erhoben sich in ihrer runden, dem Augewohlgefälligen Form hoch über das übrige Gebäude, oft von kleinern Kuppeln und Halbkuppelnumgeben und gewissermaßen in Verbindung und als Fortsetzung der Halbkreisbogen der Fenster,Thüren und Ornamente der Außenwände, wodurch eine ungemein malerische Wirkung erzielt wurde.
Ein ganz bestimmter Plan scheint dieser neuen Bauweise nicht zu Grunde gelegen zu haben,denn wir finden die Kirchenbautcn jener Zeit bald in kreisrunder, bald in achteckiger Form, nach Artder Baptifterien, gebildet, wo die durch Bogen verbundene Pfeilerstellung die Kuppel als erhöhtenMittelbau trägt, an den sich andere Räume, durch kleinere Kuppeln oder Halbkuppeln geschlossen,anlehnen, bald als längliches Viereck, im Innern der Basilika ähnlich, aber in der Mitte eine mäch-tige Kuppel tragend. Diese viereckige Form findet man in der letzten Zeit dieses Baustyles vorherr-schend und zwar meistens als ein erhöhtes Langschiff, daö von einem gleich hohen Querschiffcdurchschnitten wird und so im Plane ein griechisches Kreuz bildet, über dessen Mittelpunkte die Kuppelthront und dessen durch die Krcuzarme gebildete Winkel durch einen minder hohen Bau ausgefülltwerden, wodurch das ganze Bauwerk die Gestalt eines Quadrats erhält. In jeder Form begegnenwir aber fast gleichen, durch den abweichend ausgebildeten griechischen Ritus bedingten Veranstaltungen.So erhält die Altartribune oder Nische zwei Scitentribunen, welche gleich dieser in halbrunder oderpolygoncr Form nach außen hervortreten und über den untern Räumen erheben sich, als Aufent-haltsort für die Frauen, sogenannte Galerien, die sich durch Säulenarkaden zwischen den Hauptpfcilernnach dem Mittelraume zu öffnen. Bei vielen dieser Kirchengcbäude der spätern Zeit findet man auchauf dem Giebel über dem Haupteingange einen mit fensterähnlichen Ocffnungen durchbrochenenMaueraufsatz, der die Glocken enthielt. Bei der Beschreibung der verschiedenen noch vorhandenenGebäude dieses StyleS wird dieser Anordnungen noch besonders erläuternd gedacht werden. — Wenndieser Architektur mit ihrem frei und sclbstständig angewendeten Gewölbcbau ein Vorwurf gemachtwerden könnte, so wäre es der, daß wir in ihr noch eine kunstgemäße Durchbildung, ein natürlichorganisches lebenvollcS Zusammenwirken der einzelnen Theile vermissen. An den meisten Bautenerscheinen unö die einzelnen Theile mehr auf sich allein beschränkt, oft willkührlich an die andernTheile angesetzt oder in sie hincingcbaut und nur in loser Beziehung, zum Ganzen. Selbst die Kuppelwar selten eine folgerichtige Fortsetzung der untern Pfeilerstellung und erhob sich meist ohne triftigesUebergangsmotiv auf den Bogen, oft durch einen breiten Gcsimskranz von denselben getrennt. Ebenso wenig scheint das häufige Anlehnen der Halbkuppeln an den Hauptdom motivirt, wie auch anderearchitektonische Dekorationen, in sich vollkommen giltig, mit dem Ganzen selten vollständig harmonirten.
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