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Der Kunststyle zweiter Zeitraum.
Wie schon in frühern Römcrbauten im Osten des Reichs, so ist vorzüglich in den Deko-rationen dieses neuen StylcS ein starker orientalischer Einfluß sichtbar und äußert sich in demAnstreben mannigfaltiger und malerischer Abwechselung der Formen und in äußerst reicher Ausschmückungderselben, was sich dem Gcwölbebau leichter und besser anschloß, als der frühern Architektur. Manvermied eine sclavische Nachbildung der griechischen Säulcnformcn, erfand viele neue Capitälformen,die sich besser zum Bogen eigneten und machte vorzüglich darin eine wichtige Erfindung, daß manden Bogen nicht mehr unmittelbar auf die Säule aufsetzen ließ, sondern auf den neugestalteten Ca-pitälen einen breiten keilförmigen Untersatz unterlegte, der dem Bogen eine sichere Basis verlieh. DieOrnamentik richtete sich bald nach römischen Vorlagen, bald war sie eine sclbstständig erfundene undzwar als letztere willkührlich in der Zeichnung, aber äußerst reich in der Ausstattung. Man ver-schmähte dabei nicht, Reste alter römischer und griechischer Gebäude, wie Capitäle und dergleichen inden Neubauten, oft ohne Zusammenhang mit dem Andern, anzubringen.
Zu dem brillantesten Schmucke der Kirchen damaliger Zeit gehören besonders noch die Wand-malereien und die Mosaikgcmälde. An einigen Kirchen Athens , wie an der Kathedraleund der Kirche des heil. Tariarch erblicken wir noch heute Reste jener Wandmalereien, welcheMomente der heiligen Geschichte, Heiligenfiguren und symbolische Ideen darstellen und die Außenwändejener Gebäude schmücken, wobei an vielen Stellen selbst die architektonischen Dekorationen der Wändebedeckt sind. Vorzüglich aber waren es Darstellungen in glänzender Mosaik, womit die innern Räumeder Gotteshäuser im großartigsten Maßstabe bedeckt waren. Diese Mosaiken bestanden aus farbigenGlaöstisten, durch deren gewählte Zusammenstellung man Bilder in oft kolossalen Dimensionen anden innern Gcwölbedecken und Wandflächcn erzeugte. Auf diese Weise finden wir meistens dieDecken mit Darstellungen von Legenden und Momenten aus der heiligen Geschichte bedeckt, während inder Altartribune fast stets das Bildniß des ErlöserS, bald in ganzer Figur, bald als Brustbild, schwebteund in vielen Kirchen unter ihm die Evangelisten oder die zwölf Apostel die Rundung der Nische ausfüllten.Der Grund hinter den Geschichtsdarstellungen und einzelnen Figuren bestand stets aus Goldstiftcn, wodurchim Verein mit den glänzenden bunten Stiften eine höchst brillante Wirkung erzielt wurde und dieHeiligen von einem Lichtglanze, einem überirdischen Schimmer umgeben schienen. Diese Mosaiken warenwegen ihres Materials so dauerhaft, daß viele von ihnen fast unverletzt auf uns gekommen sind.
Auf diese Weise hatten sich in der ersten christlichen Baukunst zwei verschiedene Systeme ausge-bildet, welche, von den bciven Hauptstädten des römischen Reiches ausgehend, in Einzelnheiten zwarsich ähnelten, in den Hauptgcsetzen aber weit von einander abwichen. Der von Rom ausgegangeneBasilikenstyl erhielt sich, mit einigen Modifikationen neben der neuen byzantinischen Bauweiseneun Jahrhunderte hindurch, vornehmlich im Abendlande in steter Anwendung.
Der byzantinische Vaustyl, dessen Werke sich noch heute, zum Theil in Ruinen, großenthcilsauch zu Moscheen umgebaut, in Griechenland, in der Türkei und einem Theile Italiens , dem ehe-maligen Erarchat, vorfinden, läßt drei Perioden unterscheiden, von denen die erste den Beginn,die zweite die Blüthe und die dritte den Verfall dieser eigenthümlichen Bauweise bezeichnet.
Die erste Periode beginnt mit dem Anfange christlich-kirchlicher Architektur im Abendlands,unter Constantin dem Großen. Skus dieser Zeit sind nur sehr wenige Ucberreste auf uns gekommen;das Hauptwerk, die Kirche der heil. Sophia zu Constantinopel brannte unter Justinian ab. Dievielen Gottestempel, die dieser Kaiser und seine fromme Mutter, die heilige Helena im Abendlande