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Der Kunststyle zweiter Zeitraum.
Ansicht dieses großartigen Baudrnkmales etwas geschmälert wird, so macht doch das Ganze noch einrirmächtigen Eindruck auf den Beschauer und die ächten alten Dekorationen, wie z. B. das Wolssportal sinduns noch jetzt belehrende Zeugen der durch den germanischen Sinn behandelten Ornamentik des byzantinischenStylcs.
Von der großartigen Pracht einer andern Schöpfung Karls des Großen, der Kaiserpfalz zu In gel-be im zwischen Mainz und Bingen , sind uns nur einige Steinlrümmer und mährchenhafte Sagen geblieben.Auck dieser Palast besaß kostbare antike Säulen aus Rom und Ravenna . Aus dem Kaiserpalaste zuNym wegen hat sich ein sechzehneckigeS Baptisterium, in der Form dem Aachener Dome ähnlich, ziemlichgut erhalten. Ein ganz ähnlicher Bau aus gleicher Zeit ist auch die Kirche zu Ottmars heim im Elsaß ,nur mit dem Unterschiede, daß die zwischen die Pfeiler gestellten Säulen der Zeit des romanischen StyleS,jedenfalls dem elften Jahrhunderte, angehören.
Eines der ältesten Bauwerke in Deutschland ist gewiß der sogenannte Heidenteinfiel, eine alteKapelle in Regensburg , deren längliches Innere rings an den Wänden mit Nischen versehen ist.Zu Fulda und Quedlinburg eristiren noch Krypten aus der byzantinischen Periode, über welchenin spätern Zeiten der Oberbau erneuert worden ist. Die Krypta der M i ch a el S kir ch e zu Ful d a istein kleiner zirkelrunder gewölbter Raum, dessen Wölbung sich in der Mitte der Halle auf eine ionischeSäule stützt, die äußerst rob und unbeholfen gearbeitet ist. Um diesen vom Jahre 822 datircndcn Bauläuft ein ebenfalls gewölbter Umgang, der in einzelne Kammern abgetheilt ist und von welchem Thürennach dem Rundbau führen. Die Krypta der Wipertikirche zu Quedlinburg zeigt das Eigen-thümliche, daß die aufgestellten Säulen ein gerades Gebälke tragen, über denen sich das Tonnengewölbeerhebt. Da das Ganze, äußerst roh, aus der gänzlichen Berfallzeit im zehnten Jahrhunderte herrührt, soschcim daü hier befindliche einfache ionische Capitäl einem antiken Baue angehört zu haben.
Ein getreues Bild des in der Mitte des neunten Jahrhunderts diesseits der Alpen herrschenden Bau-systems giebt uns der große und ausführliche auf Pergament gezeichnete Originalplan des Klosters zuSt. Gallen in der Schweiz ; dieser Plan wird zu einer wichtigen und interessanten Erscheinung durchden Umstand, daß er nicht an Ort und Stelle entworfen, sondern zugesandt war, folglich gleichsam dasIdeal einer solchen Anlage bietet. Er ward, wie es scheint, von einem der Hofbaumeister Kaiser Ludwig des Frommen entworfen und dem Abte zu St. Gallen als Vorlage zugeschickt. Da von diesem Kloster,dessen Hauptkirche von 830 bis 835 ausgeführt ward, keine Ucberreste, selbst nicht detaillircnde Nachrichtenvorhanden sind, so ist es nicht bekannt, ob die Gebäude genau nach diesem Plane der noch jetzt in derBibliothek des Klosters bewahrt wird, ausgeführt wurden. Nach diesem Plane bildete die Hauptkirche eineBasilika, aber mit Veranstaltungen, wie sie der abendländische Ritus der Mönche bedingte. Das Lang-schiff besaß an beiden Enden eine Tribune, jede mit einem breiten Umgänge versehen. Vor der Tribunedes Hauptaltarcs war der Raum durch eine bedeutende Anzahl Stufen über das Mittelschiff erhöht undunter diessem Raume die Krypta. An beiden Enden des Langschiffcs vor den Tribunen befanden sich zweiEhöre, den kirchlichen Wechselgesängen der Mönche entsprechend. Der Hauptchor vor den Stufen desHochalkarraumcs hatte an seinen vorderen Schranken zwei vortretende Kanzeln (Amboncn), weiter nachder Mitte stand die eigentliche große Predigtkanzel in runder Form und dieser nach der zweiten Tribune zuentsprechend der Taufftein, zwischen beiden aber noch zwei Kanzeln. Reihen von Altären befanden sich