Band 
Zweiter Band.
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Der germanische oder gothische Kunstftyk.

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scbaften, insbesondere sammt der Geschichte dir theologischen und philosophischen Fächer in der scholastischen Form, erfreuten sich im Kreise der höheren, gebildeteren Stände nun der regsten Theilnahme und allermöglichen Beförderung; aber die Naturwissenschaften lagen noch in Banden, und zwar nicht nur in denendes alten Aristoteles, sondern auch in denen von seinen Anhängern, wofür mehr oder weniger die traurigenSchicksale eines Roger Bacon (-Hum 1293) und eines Raymundus Lullus (f- 1315) zeugenkönnen. Indeß auch jenes Jahrhundert hatte seine Weltwunder der Gelehrsamkeit, wie unter den Muham-medanern, so auch unter den Christen; der Ruhm eines Thomas Grafen von Aquino (f- 1274), einesBouaventura (f 1275), eines Albertus Magnus von Bollstädt (-) 1280) und eines Johannes DunsScotus (-j- 1308) bleibt ein unvergänglicher; sie erstiegen den Gipfel aller menschliche» Weisheit, Fröm-migkeit und Heiligkeit. Albert der Große , der Lcibnitz seiner Zeit, pflegte alle Wissenschaften, auch dieverpönten oder beargwöhnten; er ragte nicht minder hervor als Naturforscher und Mathematiker, den» alsTheolog und Philosoph; ja, er. der ehemalige Bischof von RegenSburg, war als Mönch zu Köln selbstBaumeister, so daß man unter den zahllosen Kirchenbauteti jener Tage bald hier, bald dort seine Fußtapfenwieder findet. Die Kölner Dominicaner- Kirche ist das Werk seiner Hand. Den Sprachen, welche bisdahin die Scheuern ihrer Literatur mit den goldncn Garben der reizendsten und anmuthigstcn Früchte er-füllt hatte», aber auch schon manchen Auswuchs von Ueppigkeit hegten, gesellte sich,, wie auf den Zaubereiner zu allen Zeiten unerhörten Begeisterung, urplötzlich die italienische bei, die mit einem kühnenAdlerflugc sogleich über alle Wolken empor sich aufschwang zum hehrsten Sonnenglanzc in Dante(Dura»teAlighieri) aus Florenz (j-1321), welchem FranceSco Petrarca aus Arezzo (-f 1374) und Gio-vanni Boccaccio, wohl aus Florenz (H 1376), wiewohl Söhne eines ganz anderen Geistes, baldals vollendete Meister sich anschlössen. Solche Männer bringen alle diejenigen, welche noch von einerempörenden Nohheit rede», mit einem Schlage zum Schweigen. Schon ein Jahrhundert früher hatteDeutschland seine allergrößten Kunst-Epiker in einem Hartmann vonOwc oder Aue (ch um 1215)und einem Wolfram von Eschen dach schürn 1225), Geister vom ersten Range, und in seinemWalter von der Vogclweidc (1 1250) eine der lieblichsten Erscheinungen unter den Dichtern allerZeiten. In der Luft, in welcher solche Männer sich wohl und behaglich fühlten, mußte ja doch die Kunstblühen und gedeihen. Was unö insonderheit über die Bauunternchmungen berichtet wird, wäreuns vielleicht unglaublich, würde es nicht durch die freilich oft unvollendeten Riesendcnkmälcr bestä-tigt. Große Veränderungen waren nun auch in persönlicher Rücksicht eingetreten: die Bischöfe zwarblieben in der nächsten Bezicbung zum Bauwcien, um welches sie, und zwar eben damals fast alle, sichfortwährend die strahlendsten Verdienste erwarben; aber den Klöstern, den Mönchen wurde ihr baukünstle-risches Vorrecht, ihr Monopol, wie sehr sie sich auch sträuben mochten, nach und nach entzogen, vor Allemdurch die von Heideloff und Schnaase gründlich erforschten Bauhütten, seitdem die Maurcrei sich zurStcinmetzkunst vervollkommnete.*) Der Name, welcher anfänglich im eigentlichsten Sinne zu nelnnen istfür die Buden, in welchen die Steinmetzen und andere verwandten Handwerksgcnossen sich versammelten,trug sich ohne Zweifel bald über auf deren Zunftvcrbindungcn oder Innungen selbst, die man schon imdreizehnten Jahrhunderte darunter sich zu denken hat. Die Untersuchung von Urkunden hat bis jetzt eine

-) Die gewöhnliche Annahme, daß die Loge» der Freimaurer aus den Bauhütten entstanden seien, soll wenigstens nichtgänzlich Übergängen werden, mag es immerhin auf jeden Fall ganz klar sein, daß das Wesen der Bauhütten in den Logen sichnicht findet, höchstens ein gewisser Theil von Symbolik nebst der Gcheimthucrei aus jenen auf Liese sich vererbt hat.