Der germanische oder gothische Kunststyl.
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rung von Privat - und Stadtpalästen, sogar auf venetianischem Gebiete und in der einzigen Seestadt selbst.Jedoch daß sie sich nur langsam Eingang verschaffte und nicht recht mit den heimischen Ideen verschmolz,war ein sicheres Vorzeichen, wie kurze Zeit ein so geistvolles Volk in solcher unsicheren Nachahmung frem-der Formen und Weisen Befriedigung finden würde. Es ergab sich daraus von selbst jene reformatorischeBewegung auf dem ganze» Gebiete der Kunst, so wie der Wissenschaft, die zunächst wohl nur als eineRückwirkung aufzufassen ist, die aber bald jene Rückkehr zum Alten nach sich zog, woraus dasModerne in unserem Sinne allmälig sich herausbildete; über den Zeitpunkt aber, oder vielmehrüber die Erscheinungen, wo diese Reaction ins Licht tritt, gehen wir jetzt nirgend weiter hinaus, als es die,wie Ursache und Wirkung, zusammenhängende Reihe ähnlicher Schöpfungen zu erheischen scheint. Wirbemerken also nur noch, daß auch auf die pyrenä ische Halbinsel gothische Elemente sich den Wegbahnten, dort aber nur zu einer manchmal seltsamen Vermeiigung mit maurischen gelangten, der es mei-stens an einer wahrhaft organischen Durchbildung und Verschmelzung fehlte, ausgenommen nach KuglerbaS Kloster von Batalha*) in Portugal , welches König Jocio 1. 1888 gründete und sich zurGrabstätte einrichtete, und das zu Ehren der Geburt Christi vom König Emanuel 1499 erbaute KlosterS. Geronymo zu Bclcm bei Lissabon , wo die harinonische Durchdringung bei überwiegenderGothik in der That schöne Ganze zu Wege gebracht hat.
Sehen wir nun schließlich uns noch nach den Werken der Bildnerkunst und der Malerei um,so kommt Alles, durchaus Alles darauf an, in wie weit sie sich von der Stufe der bloßen Kunstfertigkeit zuderjenigen wahrer Kunst, aus der Stellung der Abhängigkeit zu derjenigen der Freiheit und Selbstständig-keit emporgeschwungen haben; denn gleich echten Wissenschaften, sollen auch erbte Künste zu einander sichverhalten , nicht wie widerwillig gehorchende, oder doch dienende Mägde, sondern wie freundlich liebendeSchwestern, weil, wo es an äußerer Freiheit fehlt, auch die des Geistes keine Stätte haben kann. Erstwo in einem schönen Gebäude die Bildsäule, oder das Gemälde für sich etwas gilt, an und für sich gefällt,ist auch für die Künste, die immer und überall später, als die Baukunst, zur Bedeutung gelangt sind, dieMorgenröthe einer besseren Zeit angebrochen: und wo diese für Plastik und Malerei beginnt, hört für siedas Mittelaltcr auf, mit dem wir es jetzt allein zu thun haben. Eine Art von künstlerischer Geschicklichkeitallerdings hatte sich noch aus dein Alterthume auch auf die Mönche vererbt, welche die Ueberlieferung mitLiebe hegten und pflegten, nach Möglichkeit fortentwickelten und ausbildeten; allein wo man, wie im Kreiseder byzantinischen Kunst, sich streng an dieselbe gefesselt fühlte, kam es darin nie zu einem solchen Auf-schwünge, daß im Vergleich mit freien Leistungen davon ernstlich die Rede sein könnte. Nicht selten über-wiegt unter jenen hemmende» Umständen der Stoff die Form auf eine für unser Gefühl äußerst lächerlicheWeise, aus keinem anderen Grunde, als weil die Kunstübung immer mit dem Ansprüche auftritt, einreines Wohlgefallen zu erregen. Die Masse dcö Materials so zu bewältigen, die Linien und Farben so zuhandhaben, daß daS Gepräge des Geistes und Charakters, der Stempel einer Gesinnung und eines Ge-dankens darin klar zum Vorschein käme, daß mit einem Worte die Idee waltete oder vorwaltete, das wardie Aufgabe, in deren Lösung bei uns Bildner- und Malcrkunst treu mit der Baukunst Hand in Handgingen, oder doch derselben auf ihren Spuren folgten, so daß in ihren Arbeiten schon während der gothi-schen Periode der Aufschwung zum Höheren, die Sehnsucht nach dem Himmlischen, die Innigkeit frommer
') Baumeister war der Jrländer Hackett.