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Zweiter Band.
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X. Die moderne Kunst bis znrZeit Ludwig'S XIV. (Italien .)

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So fand die Renaissance in Italien immer mehr Eingang, immer mehr Bcrbrcitung, am langsamstennoch ungeachtet vieler Baunnternehmungen in Oberitalien , wo theils das Geistreiche, theils auch dasBarocke fortwährend Anhänger zählte, bis endlich der rechte Mann kam, von dem ein besserer Geist, einedlerer Geschmack in die tonangebenden Kreise eingeführt wurde. Der Name Andrea Palladio's aus Vicenza (30. Nov. 1518 —19. Aug. 1580) ist mit so strahlendem Ruhme geschmückt, daß an ihnsich ohne Frage ein Architekturkanon knüpft, der viele Jahrzchcnde hindurch gangbar und herrschend blieb.Woraus erklärt sich dies? Lediglich daraus, daß Palladio nicht nur ein geistvoller, sondern auch eingelehrter Mann war, welcher mit gründlichem Verständnisse und eifrigem Fleiße dem Studium der Altensich widmete, weshalb er nicht nur ein allerwärts begehr,er Baumeister, sondern auch ein bewährter oderdoch brauchbarer Lehrmeister der Baukunst wurde. Selten oder vielmehr niemals sonst hat ein Talent vomnüchternsten, gesündesten Verstände, wie Palladio , es dahin gebracht, weit und breit noch über ein Jahr-hundert hinaus die Mode in den Palastbauunternchmungcn wahrhaft gebieterisch zu bedingen. SeinLehrbuch wirkte kräftig zusammen mit seinen zahlreichen Bauwerken und Rissen, um Regel und Richtschnurfür die Dauer zu bestimmen. Der gelehrte Meister war kaum im Stande, den dringenden Ansprüchen,die von Städten und Privatpersonen an ihn gemacht wurden, Genüge zu leisten; vorzüglich in Vicenza ,wo einst seine Eltern als ganz arme Leute lebten, beeiferte man sich, prächtige Denkmäler von ihm zubesitzen. In den Gegenden dcS Bachiglione und der Brenta finden sich deren die meisten, unter welchenwir dasTeatro dcgliOlimpici zu Vicenza , Sän Giorgio Maggiorc sammt dem Refecto-rium zuVenedig, den Palast Barbars zuMestre und die Villa Capra bei Padua hervor-heben. Mochte aber immerhin Palladio bis zur Aefferei nachgeahmt werden, so ist doch nicht zu leugnen,daß Einzelnheiten bei ihm nicht fehlerfrei sind, wie denn vor Allem seiner dorischen Ordnung jetzt keinunbedingtes Lob mehr zuerkannt wird; dessen ungeachtet verdient er überall den größten Dank, wo er einErlöser vom ganz Abgeschmackten blieb. Fast immer und allenthalben hat das Reine und Echte in derKunst das Schicksal gehabt, daß es nur einige Zeit befriedigte; daran ist weniger der ein solches verfolgendeStyl schuld, als der ungcläuterte und unlautere Mensch, der vor Allem für seine Sinne einen Genußerstrebt. So verdarb denn schon in Italien selbst daS Eindrucksvolle und Wirkungsreiche, dem dasVergnügen zur Seite steht, mehr oder weniger die guten Richtungen defRenaissance. Stärkereoder schwächere Vorwürfe treffen in dieser Hinsicht die meisten Architekten des siebzehnten Jahrhunderts,' in sofern sie für Pflicht hielten, dem der Ueppigkeit verfallenden oder sich zuneigenden Zeiigeiste zu huldigen,unter anderen schon einigermaßen Carlo Madcrno (1556 —1629) und Lorenzo Bernini (1598—1680). Durch den ersteren derselben erhielt die Pctcrskirchc einen mit dem ursprünglichen Plane imentschiedensten Widersprüche stehenden Vorbau*) in einem dem Ganzen durchaus fremdartigen Langhause,dessen Fapade jedoch noch eher ein übertriebenes Streben, Prunk und Schwulst fern zu halten, darzulegenscheint. Sein Nachfolger im Amte als Dombaumeister, der verrufene Bildhauer Bernini aus Neapel ,bekam zuerst den Auftrag, an der Seite des VvrdergebäudcS die Glockenchürmc zu vollenden; dazu indeßkam es nicht, weil der von Madcrno gelegte Grund sich als zu schwach erwies, was leider nicht eherbemerkt wurde, als wie bereits der Einsturz drohte. Als Bcrnini's Denkmal von bleibendem Werthe hat

') Die Nothwendigkeit, mehr Raum zu gewinnen, wirkte vhneZweifel ei» auf die damaligen Beschlüsse; es wurde dadurchaber auch das griechische Kreuz ine Grundrisse gestört.