Band 
Zweiter Band.
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4. Die moderne Kunst bis zur Zeit Ludwig'« XIV. (Außerhalb Italiens .) HZ

Dazu kam noch, daß während der allmäligen Bc>väl,igung des byzantinischen Reiches durch die Türken diegeängstigten Griechen, zunial die Gelehrte» dieses Volkes, beinahe nur mit Erfolg in Italien eine Hilfeoder eine Zuflucht zu finden hofften und den Verkehr mit diesem Lande, dadurch aber auch nur die Begei-sterung für ihr Alterthum zunächst dort stets unterhielte»; es verging ziemlich lange Zeit, bis das Interessefür die allklassischen Literaturen, der Sinn für die griechische und römische Altcrthumökunde auch diessrit derAlpen angeregt oder wieder aufgefrischt wurde, und als dies endlich geschah, nahmen die Bestrebungen hiereine Richtung, die von der italienischen gänzlich verschieden war, wozu der Mangel an Uebcrrcstcn der anti-ken Kunst daö Seine beitrug. Rudolf Agrieola (Hausmann) aus Bafflon bei Gröningen (1443—1485)war der Erste, welcher daö Studium der alten Sprachen mit einem etwas tieferen Geiste und Sinne erfaßte;veranlaßt wurde er dazu aber durch den Aerger, den ihm die barbarische Latinität der Gelehrte» verursachte.

Er wendete sich nun zwar in solchem Interesse »ach Italien ; wie er nachher aber unter den. Schuhe desBischofs Johann von Dalbcrg in Worms Vorlesungen hielt, war es beinahe allein die sprachliche, die wis-senschaftliche Seite, in Bezug auf welche er die klassischen Sprachen und Literaturen behandelte. KonradEeltes aus Schweinfurt (1489 — 1508), Johann Reuchlin aus Pforzheim (1435—1322) und Erasmnsvon Rotterdam (1407—1336) befolgten durchaus sein Verfahren, kamen kaum auf den Gedanken, andereWege einzuschlagen: somit ging die Kunst lange dabei ganz leer aus, und es gewann lediglich die Wissen-schaft bei der Art »nd Weise, in der man bei uns das Studium der Alten betrieb. Indessen wurde diesseitder Alpen eine Erfindung gemacht, deren Einfluß zwar auf dem ganzen weiten Gebiete der höheren Bil-dung zur Geltung kam, aber doch auch zunächst der Wissenschaft frommte. Johann Guttenberg, genanntGänsefleisch von Sorgcnloch, aus Mainz (1397—1468), war es, welcher in der Zeit von 1420—1448zu Straßburg, und Lorcnz JanSson Costcr aus Haarlem , welcher ungefähr um dieselbe Zeit, oder im Klei-nen wohl schon etwas früher, die Druekerpressc, welche 1462 nicht von Holland, sondern vom deutschen Rhcine aus ihre Wanderungen in die weite Welt der Christenheit antrat, in Gang brachte, unter allenMaschinen diejenige, von der auch die Kunst den herrlichsten Gewinn davon tragen sollte. In einem nähe-ren Verhältnisse gesellte ihr jedoch sich bei ein ErwerbSzwcig, welcher in Deutschland , wo er wahrscheinlichauch ausgekommen ist, wenigstens ganz gewiß zuerst anfing, zu grünen, zu blühen und Früchte zu bringenauf eine eben so erfreuliche, wie ersprießliche Weise, nämlich die Kup ferstc ch erkun st, die in Europa inVerbindung mit einem deutschen Namen, demjenigen Martin Schön's (j-1486), aus dem Dunkeleines gcheimnißvollen, aber rühmlosen Betriebes in die Oeffentlichkcit trat. Dies sind die wesentlichstenMomente, wodurch in den Rhcingegenden, so wie in den nach Osten und nach Westen von denselben sichausbreitenden Landen, die Cultur in ihrer Eigenthümlichkeit während des fünfzehnten Jahrhunderts bedingt -und gefördert wurde. Im sechzehnten Jahrhundert aber, wie nun das mit der Erforschung der altenSprachen zusammenhängende wisscnichaftlichc Streben mehr und mehr zum kritischen sich ausbildete undals solches auf das Gebiet der Kirche sich wagte, ergaben sich daraus die Ereignisse, welche dieFamilie der abendländischen Christenheit um zwei verschiedene Herde sammelte, ja, in zwei feind-lichen Lagern einander gegenüber stellte, so daß zuerst die religiöse Deukungswcise, sodann auch einiger-maßen die wissenschaftliche Auffassung, die Weltanschauung in zwei Richtungen sich spaltete und auf-löste, zwischen denen eine Vereinigung im Laufe von Jahrhunderten auf die Dauer noch weniger zu Standekam, als im äußeren Völkcrverkehr, der selbst öfters bis zu furchtbarem Blutvergießen, bis zum milchend-sten Kampfe gestört wurde; kein Verständiger, kein Unbefangener aber kann sich verhehlen, daß die bilden-

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