». Die moderne Kunst von der Zeit Ludwi g'r XIV. LiSaufNapoleonI.
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Werk Lcveau'S und der beiden Mansards, vorzüglich des jüngeren, und zwar so, daß die Capclle, welcheman auf Rechnung des jüngeren zu setzen hat, als der Glanzpunkt dcS Ganzen betrachtet wird. Eben derjüngere Mansard richtete daselbst auch der Frau von Montcspan ihre Wohnstättc ein, wie er noch überdiesTrianon und Marly ausführte. Eine sehr entscheidende Stimme brachte außer diesen Meistern zur Gel-tung der Maler Lebrun, dessen Name in seiner prachtvollen Galerie zu Versailles fortlebt. Zu gleicherZeit rief das Studium der Alten wieder einen Zweig der bildenden Künste, welcher der Architektur freund-lich sich darbot, um zur Verschönerung der Umgebungen ihr sich beizugesellen, aus der Vergessenheit zuneuem, frischen Leben zurück, nämlich die Gartenkunst,, wie sie schon zur Zeit des Kaisers Augustus inAusübung und weit verbreiteter Anwendung war; Lenstrc aus Paris (1613—1710), der weltberühmteGärtner, der Erfinder des sogenannten französischen Geschmackes, brauchte sich nur nach den Beschreibungenaus der Römerzeit zu richten, wie er von 1661 bis 1684 die Gärten mit ihren Laubwänden und mannig-faltigen aus Bäumen und Sträuchern gebildeten Formen, mit den verschlungenen Pfaden und Lieblings-plätzchen für jede Stimmung des Gemüths, mit dem unendlichen Rcichthume an Wcchsclgcftaltungcn fürAuge und Herz, mit den mühsam beschafften Wasserleitungen und Wasserkünsten zu einem wahren Wun-derwerke der Kunst gestaltete. Ludwig XIV. sah sich an für den Augustus seiner Zeit, oder wurde doch als^ solcher gepriesen; so wünschte er den» auch in Gärten zu wandeln, wie einst Augustus, mochte immerhindie Natur sich ihm nicht weniger widerspenstig zeigen, als der Mensch. Italien , das Lcnötrc auf KostendcS Königs bereiste, hatte auch hierin einen Vvrsprung um mehrere Jahrzehende; als abcr Lenütrc noch dieGärten der Tuilerien, die Terrassen von St. Germain, die Büsche von Trianon, die PorticuS von Marlp,die Spaliere von Chantilly, die Alleen von Meudon und andere herrliche, reizende Lustgärten zu Standegebracht hatte, war Frankreich dem glücklicheren Italien zuvorgekommen. Inmitten so bedeutender, soverschieden- und großartiger Unternehmungen, über die Künstler und Kunstfreunde nur Freude empfindenkonnten, war freilich sehr zu beklagen, daß die schöne Bauweise der Italiener erst mit Vernüchtcrung, sodannmit Entartung in mancherlei Richtung bedroht wurde; vielleicht würde der Verfall in den Interessen desSchönen noch eher eingetreten sei» und noch weiter um sich gegriffen haben, wenn nicht der König und derMinister verständig genug einem Jeden, der seine Stimme zur Geltung bringen konnte, Gehör zu schenkenstets bereit gewesen wären. Ein großes Verdienst ist in dieser Beziehung unstreitig beizumessen dem ArzteClaudc Perrault auS Paris (1613—1688), einem Manne von der vielseitigsten, tiefsten Bildungund von der edelsten Begeisterung für die höheren Angelegenheiten, welcher längere Zeit hindurch ein wohlbegründetes Ansehen genoß. So wurde» die Akademien der Malerei und Bildnerkunst (1665) und derArchitektur (1671), wenn nicht zufolge seiner Anregung, so doch nach seinen Vorschlägen eingerichtet, umdie Bestrebungen der Kunst mit Rücksicht auf die vaterländischen Bedürfnisse zu regeln. Aber nicht nur inBetreff der Theorie, sondern auch als Praktiker wurde er öfters zu Rathe gezogen. Schon bei den Anlagenvon Versailles hatte er sich wesentlich bcthciligt; befestigt und gesichert aber war sein Einfluß im Bauwesenerst worden durch ein berühmtes Gebäude, an dem er seinen Namen verewigte. In Folge einer Feuers-brunst nämlich, von der man meinte, daß sie von dem eben so sorgen- und ränkcvollen, wie boshaftenKriegsminister veranlaßt worden wäre, handelte es sich um den Neubau dcS Louvre. Den Plan Le-vcau'S, welcher bereits in der Ausführung begriffen war, unterwarf der Finanzministcr in seiner Gewissen-haftigkeit der Prüfung einer Versammlung von ausgezeichneten Sachverständigen, in deren Mitte sich auchPerrault befand; wiewohl dessen Vorschläge ihm nun am meisten gefielen, steigerte sich doch seine Ver-