v. Die moderne Kunst von der Zeit Ludwig's XIV. bis auf Napoleon I.
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doch vorherrschte. Blieb nach demselben auch wohl im Allgemeinen die Geundanlage der Gebäude unver-ändert, so wurde nun im Risse der Favaden krummen und geschwungenen Linien verschiedener Art der Vor-zug gegeben; Pavillons waren fortan Liebhabereien an Schlössern und Villen. Hauptsächlich aber ver-räth sich der allen wahren Aesthetiken, verhaßt gewordene Nococostyl in der Ausstattung, in den Zicrralhen,im ganzen Schmuckwerkc, in welchem außer klar erkennbaren Figuren und Formen, als Karyatiden undPersiancn von satyrhastcr und fauncnähnlicher Gestaltung, chinesischen und japancsischen, so wie anderwei-tigen orientalischen Absonderlichkeiten, Kränzen, Ranken und Guirlanden, Trauben, Früchten, Blumen,Thicrköpsen u. dcrgl., noch die abenteuerlichsten, fratzenhafteste», willkürlichsten, launenhaftesten Mißbil-dungen, wie sie nur immer eine üppige und schwülstige Phantasie ersinnen mochte, die bereitwilligste undzuvorkommendste Aufnahme fanden, wunderliche Dinge, die bei keinem Beurtheile, von ruhigen Sinnennoch auf Gnade und Erbarmen zählen können. Den jüngeren Mansard bezeichnet man schon als den-jenigen , welcher dazu sich verstanden habe, solchem Unwesen in weiterem Umfange den Zutritt zu vergön-nen, nachdem sein Onkel bereits ihm darin vorgearbeitet hatte. Erst in der Mitte des achtzehnten Jahr-hunderts trat die längst auf empörende Weise herausgeforderte Rückwirkung ein, für die von deutschenSchriftstellern ersten Ranges alles Mögliche geschah; unverhohlen und unumwunden erklärten diese Nach-ahmung der Alten für das einzige Mittel, welches Rettung von diesen unausstehlichen Verirrungen,Hilfe in diesen Peinigungen des guten Geschmackes bringen könnte. In der That, der Muth, welchenWinckelmann mehr noch als Lessing bewies, dürfte uns als ein heroischer erscheinen, wüßten wir nicht,daß das Abgeschmackte an sich schon eine sehr nahe Verwandtschaft mit einer'faden Speise, oder einemschalen Getränke kundgicbt, mag immerhin diese Eigenschaft nur Menschen von gesundem Sinne fühlbarwerden. Don Italien ging auch dies Mal die Heilung des verderbten Geschmackes aus. Allerdingsstanden dort die Namen eines Berntni und eines Borromini in so hohem Ansehen, daß deren Erzeugnisseauf dem Felde des Schönen noch lange sortwuchertcn. Am weitesten ging in der Nacheiferung ohne Zwei-fel Guarino Guarini aus Modcna (1624—1683), ein Theatincr, der das Glück hatte, von Sa-voyens Herzoge Victor Amadcus zu seinem Baumeister ernannt zu werden, als welcher er dem Borromini mit solcher Entschiedenheit vor Vitruvius , Alberti und Palladio den Vorzug gab, daß der rücksichtsvolleTt'cozzi selbst ihn il piü «tigvnggnto Kviiominosco nennt. Turin ist reich bedacht mit Denkmälern seinerderartigen Thätigkeit, unter denen wir, abgesehen von drei prinzlichen Palästen, die Kirchen S. Lorenzoder Theatiner und S. Filippo Neri anführen wollen; seine Ideen waren aber auch in Modena ,Verona, Messina, Paris, Prag und Lissabon vertreten, woraus man wohl ersieht, daß ein schlechterGeschmack nicht weniger weite Wege findet, als ein guter. Zu derselben Zeit huldigte übrigens Giu-seppe Sardi in Venedig keineswegs besseren Ideen. Indeß währte die Herrschaft des verderbten Sty-lcs in Italien nicht lange, sondern es erwachte bald wieder das Gefühl für das Richtige und Schöne.Ein überzeugender Beweis dafür ist schon das Kloster Superga bei Turin (s. Pl. 112), welches unterAnderem Filippo Jvara (1683—1735) erbaut hat. Einen wahrhaft wundervollen Prachtbau aber,,dessen Wirkung kaum tiefer und mächtiger sein könnte, hat der Welt Luigi Vanvitclli gegeben,welcher, als der Sohn eines Ntrechter Landschafters Kaspar Vanvitclli 1700 in Neapel geboren, aberin Rom erzogen, schon im KindeSaltcr die stauncnswerthcstcn Talente an den Tag legte und noch vor sei-nem scchSundzwanzigstcn Lebensjahre zum Dombaumeister von St. Peter*) ernannt wurde. Vom Könige') Diese Kirche soll noch jetzt jährlich 30,000 Scudi für die Erhaltung im bauliche» Stande erheischen.
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