Band 
Zweiter Band.
Seite
175
JPEG-Download
 

v. Die moderne Kunst von der Zeit Ludwiz'S XIV. bis auf NapoleonI.

175

die denselben Niemand entziehen wird.' Bcrettim'S Ruhm, nicht weniger strahlend als derjenige der beidenanderen Römischen Größen, ging weit über die Schranken des Gewohnten hinaus; seine Schule, seinAnhang war unübersehbar groß, die Verehrung, die er zu seiner Zeit genoß, unbegrenzt und schwärmerisch,bis seine Bedeutung auf ihren wahren Werth zurückgeführt wurde. Indeß gab es zu Rom noch anderetüchtige Meister, deren Rainen aus die Dauer dem scinigen die Wage hielten. Ein Pietro überlebenderZeitgenosse war Giovanni Battista Salvi aus Sassoferrato (1605—1685), dessen von jenemnicht abhängiges Streben mehr zu dem liebenswürdigen Florentiner Carls Dolce sich hinneigte unddessen Madonnen denen Dolcc's allerdings, wenn auch nicht an Schönheit, so doch an Anmuth und Lieb-lichkeit nachstehen. Eben so behaupteten als sclbstständige Meister ihr wohl verdientes Ansehen der Frcs-kcnmater Giacinto Brandi aus Poli (1623—1691) und der Oelmaler Carlo Maratti ausCamerino (1625—1713), von welchen der letztere mit seinen Madonnen, heil. Familien und Heiligenglücklicher Weise wieder so entschieden Schule machte, daß Raphael Mengs , natürlich eben so wenig wieWinckelmann ein Verherrlich« Bcrettini's, ihm allein die Aufrechthaltung der Malerkunst zuschrieb. SeineBegeisterung für Raphael Sanzio und seine eigenthümliche Behandlung deS Lichtes gingen mit seiner Gel-tung über auf seinen berühmte» Schüler Giuseppe Chiari aus Rom (1654—1727), dessen Thätig-keit von Körperschaften wie von Privatpersonen, vom Auslande wie von Rom , fortwährend dermaßen inAnspruch genommen war, daß seine Werke sich bis zu einer nicht geringen Zahl vermehrten, währendneben ihm noch Pasquale Rossi (Pasgualino) aus Viccnza (1641 bis um 1718) und AntonioGabbiani auö Florenz (1652-1726) jeder dem eigenthümlichen Charakter treu blieben. Diesen ver-schiedenen Historienmalern gesellt am passendsten sich bei ein berühmter Deutscher, Philipp Roos, derSohn 2oh. Heinrich's, aus Frankfurt am Main , bekannt unter dem Namen R osa di Tivoli (1655bis 1705), der, seinem Gönner dem Landgrafen von Hessen-Kassel mit Undank lohnend, zu Tivoli mitder größten Fertigkeit, wenn die lcidcnschafilichc Jagdlust ihm Zeit übrig ließ, jene zahlreichen meist groß-artigen Landschaften und Viehstücke zu Stande brachte, denen auf den ersten Blick das Gepräge der ita-lienischen Einflüsse anzusehen ist. Eben so ließ sich frühzeitig auf immer in Rom nieder BenedettoLuti aus Florenz (1666—1724), ein Schüler Gabbiani's, welcher in Oelfarben , a leoseo und mit demPassest für Rom, Piacenza, Pisa, Florenz , für die ganze Welt erstaunlich viel geschaffen hat, was,wie zufolge einer letzten schwachen Kraftäußerung der heimischen Richtung, noch so wenig den Charakterder Florcntinischcn Schule verrieth, daß einst Jemand beim Anblicke seines Bildnisses nicht mit Unrechtausrief: „ Siehe da! der letzte Maler der Florentinischcn Schule." Ein sehr bedeutender,einflußreicher Mann zu Rom war im Lause deS achtzehnten Jahrhunderts noch Pompeo Battoni ausLucca (1708—1787), der Zeitgenosse Winckclmann's und Mengs ', offenbar des letzteren Nebenbuhleroder Gegner, der, wie dieser bei seiner gründlichen Gelehrsamkeit mit der Verehrung Raphacl's das Stu-dium' der Antike verband, so von Raphael zu der Natur und von der Natur zu Raphael mit gleicher Liebegegen beide zurückkehrte, und der, wie Ticozzi meint, mehr Maler als Philosoph war, während McngSmehr Philosoph als Maler gewesen sein soll. Unter seinen Werken wird die heil. Familie in der Brerazu Mailand ausgezeichnet. — Eine Menge von Talenten, welche ungemcin viel arbeiteten und eine bedeu-tende Geltung erlangten, entwickelte sich in Neapel , wo ein längerer Aufenthalt des SpanicrS Ribera(1588—1659), dessen Werke in Italien kaum weniger zahlreich vorkommen, als im Vaterland?, nichtohne wesentlich bedingende Einwirkung auf den Geist der dortigen Schule blieb. Die berühmten Maler