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Der Kunststyle dritter Zeitraum.
Anwendung bringen ließ, nicht an mannigfacher Uebung fehlte, da Paris allein indessen Tausende vonneuen Bauwerken erhalten hat, unter denen einzelne zu den vorzüglichsten Denkmälern der Architektur zuzählen sind. Den ersten Platz in der Reihe derselben nimmt ohne Zweifel die Magdalcnenkirchelila«Io 16> ne") ein, welche, erst unter Louis Philipp vollendet, aber schon 1806 begonnen, in derForm eines alten Tempels von der korinthischen Ordnung mit einem sehr eindrucksvollen Gicbelfcldc nachder Bauweise des Kaisers Augustus ausgeführt ist, und zwar so, daß das Gebäude im Ganzen wie imEinzelnen wegen der vortrefflichen Anlage und der genauen, sorgfältigen Ausarbeitung aller Zicrrathenals ein Muster aufgestellt zu werden pflegt. Eben so wurde der 1806 nach Chalgrin's Plane ange-fangene prachtvolle Triumphbogen an der Barriöre de l'Etoile erst durch Blouet 1849 oder etwas späterzu Stande gebracht, gleichfalls im altrömi scheu Style des Vitruvius, dem in Frankreich vorzugs-weise Beifall geschenkt wurde. Doch näherte sich eben damals die herrliche Ecolc des beaur artsin geschmackvoller, aber nicht kalt sklavischer Nachahmung dem griechischen Architckturstyle. Ganz eigen-thümlicher Art ist die von Hittorf und Lcpb.re mit Verwendung antiker Formen erbaute Kirche St. Vin-cent de Paul , an welche noch Notre Dame de Lorette als in demselben Zahrzchcnde ans Zielgeführt auf erfreuliche Weise sich anschließt. Die Pläne unserer Tage, unter denen die Kirche St. Clo-tilde als ein cdleS Zeichen der Zeit hervortritt, sind großartig und bedeutungsvoll, wahrhaft kaiserlich.
Wenden wir uns nun zur Bildhauerkunst, so betreten wir das jetzt schon reich besetzte Feld derDenk- und Ehrenmäler berühmter Personen, über welchem der Himmel, dem all diese Werke zu dankensind, glänzt von unzähligen Sternen verschiedener Größe; unsere Aufmerksamkeit können unter denselbennur diejenigen auf sich ziehen, welche am hellsten strahlen. Italien wird wohl mit Grund der Vorzugnicht streitig gemacht, auch für unser Jahrhundert dort vorangegangen zu sein auf diesem Gebiete mit ent-scheidendem Erfolge, gesetzt auch es hätte schon früher wohl ein Anderer mit Italienern zugleich einenSchritt zum Besseren gewagt. »Unter den Plastikcrn, welche durch Nachcifcrung in gleiche Höhe mit dengroßen Meistern des sechzehnten Jahrhunderts und des Alterthums sich aufschwangen, indem sie entschlossengenug waren, mit der herrschenden Unnatur der Manicrirthcit zu brechen, erwarb sich den höchsten RuhmAntonio Canova aus Pvffagno in der Trcvigianischcn Mark (1767 —1822). Nach einer trüb-seligen Kindheit wurde demselben in seinem vierzehnten Lebensjahre der Vcnctianische Edelmann GiovanniFalicr eine kräftige Stütze, so daß er durch dessen Gunst seinem inneren Berufe folgen konnte. Zur Dar-bringung des Dankes stellte dieser ihm in der Folge die Preisaufgabe, ein Paar Frucht- und Blumen-körbchen zu arbeiten, welche, 1772 zur vollsten Befriedigung gelöst, die Bildsäulen der Eurydikc und desOrpheus für den nämlichen Auftraggeber »ach sich zog (1773 und 1774). Ucberrascht von den Leistun-gen des jungen Künstlers, die zu den schönsten Hoffnungen berechtigten, veranlaßten Kenner nun eineBestellung nach der andern Seiten des Procurators Morosini, der Marchcse Spinola, des ProcuratorsRczzonico u. A. Inzwischen war es aber doch erst die aus seiner eigenen Idee hervorgehende Gruppe:„Dädalos und Ikaros," durch die er 1780 sich am Ziele seiner längst gehegten Wünsche sah, Rom zubesuchen, wohin bereits ein großer Ruf ihm vorausgegangen war. Leider jedoch war dort die Manierschon dermaßen zum Schlendrian geworden, daß nur sehr wenige Meister auf den Gedanken kamen, davonabzuweichen; außer drei Lombarden hatten wohl nur Flarman und Giuseppe Ceracchi.dcn Muth, ernstlichan das Studium der Natur und der Antike zu gehen, ähnlich wie Canova . Nun trat dieser mit scheinbarneuen Ideen, demnach als ein Neuerer lange nach Winckelmann's Predigten unter die Schaar von ein-