47
Wechselwirkung auf einander ausüben, daß sich die Bestandtheileeines Körpers trennen, wobei sie dann gewöhnlich, wenigstenszum Theil, neue Verbindungen bilden. Eine Menge Verbindungensind so fest, daß auch die Einwirkung anderer Körper sie nichtzu trennen vermag; sie werden jedoch zerlegt durch einen kräf-tigen Strom von Elektricität, wie er durch die Thätigkeit einesgalvanischen Apparats frei wird. Diese Kraft zerlegt über-haupt alle Verbindungen, und dabei scheidet sich der eine Be-standtheil am positiven, der andere am negativen Pole desStromes oder der Kette aus, wenn sie durch die zu zerlegendeSubstanz unter geeigneter Vorrichtung geschloffen wird. Gewöhn-lich indeß bedient man sich zur chemischen Zerlegung der Ein-wirkung der Körper bei wechselseitiger Berührung, und wendetzur Unterstützung dieser Wirkung oft die Wärme an. Wenn manKalkstein in eine saure Flüssigkeit, z. B. Salpetersäure, bringt,so erfolgt an allen Stellen seiner Oberfläche, wo die Flüssigkeitmit ihm in Berührung ist, eine Entwicklung von kleinen Luft-bläschen, ein Aufbrausen. Das Volumen des Kalksteins ver-mindert sich dabei, er löst sich auf. Die Erscheinung dauert fort,so lange die flüssige Säure ihre Wirksamkeit äußern kann, solange ihre auflösende Kraft nicht erschöpft ist; wir gelangenhierbei zu der Erfahrung, daß eine bestimmte Menge von Säureauch nur eine bestimmte Menge von Kalkstein aufzulösen imStande ist. Ist gerade so viel Säure in der Flüssigkeit vorhanden,als zur Auflösung des Kalksteins erforderlich ist, so verschwindetdieser gänzlich, d. h. er ist als Kalkstein nicht mehr in der Flüssig-keit vorhanden; der eine seiner Bestandtheile hat sich als Gasverflüchtigt, und wir haben diese Ausscheidung in der Erscheinungdes Aufbrausens wahrgenommen. Wir können das sich ent-wickelnde Gas bei zweckmäßiger Vorrichtung sammeln und unsdurch Untersuchung seiner Eigenschaften überzeugen, daß es das-selbe ist, welches durch das Glühen des Kalksteins ausgetriebenwurde, daß es Kohlensäure ist. Es ist daher mit dem Kalksteindurch seine Auflösung in Säure in Beziehung auf den einen seinerBestandtheile dasselbe geschehen, was beim Glühen bewirkt wordenist; der andere Bestandtheil, der ätzende Kalk, aber hat sich mitder Säure verbunden und eine neue, vorher nicht vorhandene