Band 
Erster Band.
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Parallele mit der italienischen Malerei.

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88 .

Prag , Nürnberg und Köln hatten den idealen Zug, welcherschon den streng germanischen Styl belebte, zu einer hohenund bewundernswerthen Reife gebracht; kein gleichzeitigerItaliener steht an edlem Ernst des Ausdruckes den altenNürnbergern, an süsser Milde und Reinheit den alten Köl-nern voran, und in der lebendigen mul harmonischen Fär-bung haben die Deutschen jener Zeit sogar unläugbar denVorrang. Allein verkennen wir es nicht, dass ihre Grösseeine höchst einseitige war. Die fortwährende Darstellungeines doch etwas beschränkten Kreises von Stimmungenhatte ihre höchsten Bemühungen auf die Behandlung derGesichtszüge concentrirt, welchen alles IJebrige, selbst beider liebevollsten und glänzendsten Ausstattung im Einzel-nen, sich unterordnen muss. Hauptsächlich ist und bleibtdie Gestalt conventionell, ja selbst leblos und unfähig zurThat. Wo heftige Bewegung verlangt wird, geht desshalbdem Maler der Styl aus, welcher seine gesammte Dar-stellung mit harmonischer Gewalt umfassen sollte, und ermuss sich in solchen Fällen einem oft ziemlich gemeinenund ungeschickten Naturalismus in die Arme werfen.

Auf ganz andern Pfaden ging damals die italienischeKunst ihrer höchsten Entwickelung entgegen. SchonGiotto hatte in der Menschengestalt mit ihren Bewegungenimd Geberden eine mehr oder weniger organische Existenzauszudrücken vermocht, die Darstellung des Geschehensder Vollendung nahe gebracht, und die Grundzüge ge-schahen zu einer künstlerisch geordneten, schönen Com-position. Zur Zeit des Wilhelm von Köln hatten bereitsOrcagna , Spinello von Arezzo, und dAvanzo Veronese dieseElemente zur freisten und geistvollsten Behandlung vonGegenständen benützt, deren hoher und gewaltiger Con-ception die kölnische Schule nichts an die Seite zu stellenvermag. Dagegen lässt sich sehr bezweifeln, ob irgendeiner dieser Maler an subjektiver Tiefe des Gefühls demStephan von Köln gleichgekommen sei.