14 Buch III. Italien. XVI. Jahrhundert. Coreggio. §. 195. 19G.
das höchste Licht strahlen liess, stürzt sich Christus, ineiner fast gewaltsam verkürzten Stellung der Mutter ent-gegen. Etwas tiefer herab sind viele Heilige beiderleiGeschlechtes in ebenso wunderbaren Verkürzungen. Erstnoch tiefer kömmt die Hauptgruppe der Maria, welche vonEngeln in jauchzendem Triumphe emporgetragen wird.Alles dies jedoch nimmt nur die obere Hälfte der Kuppelein. An dem unteren Theile sind länglich runde Fensterangebracht, und zwischen diesen stehen, theils einzeln,theils paarweise die Apostel, der emporschwebenden Ma-donna nachschauend; über den Fenstern Genien, dereneinige Kandelaber anzünden, andre Rauchfässer in der Handtragen. In den vier Pendentifs unter der Kuppel sind dievier Schutzheiligen von Parma, auf Wolken sitzend undvon Engeln begleitet, dargestellt. Das Ganze bildet einunermessliches Heer von Heiligen, Seligen und Engeln,Alles voller Jubel und festlicher andachtsvoller Freude.Ein Ton himmlischer Entzückung, in dem Alles sich auf-löst, schwebt darüber hin, und doch wird die charakte-ristische Durchführung des Einzelnen nirgend vermisst.Indess ist der Eindruck für das Auge fast zu reich undunübersehbar; und weil man das Alles in der Verkürzungvon unten sieht, also ungleich mehr Beine als sonstigeKörpertheile, so musste sich der Künstler schon bei Leb-zeiten das Witzwort gefallen lassen, dass er ein „Frosch-ragout“ gemalt habe*).
§. 196. Neben diesen grossen Werken hat Coreggionoch eine bedeutende Anzahl von grösseren und kleinerenStaffeleibildem ausgefühpt, von denen ich hier die wichtig-sten und bekanntesten anführen will.
Eine der beliebtesten kleineren Compositionen Coreg-gio’s, und mehrfach von seiner Hand vorhanden, ist diei. Vermählung der heil. Katharina. Es ist einer vondenjenigen Gegenständen, in welchen sich die Eigenthüm-
*) In einer Reihenfolge von Blättern gest. v. G. B. Vanni, 1642.