§• 196. Bilder in England. Mythologische Bilder. 19
der über ihm schwebende Engel in hellem Lichte, währenddie schlafenden Jünger, so wie die mit Judas herannahendeSchaar ganz im Dunkel gehalten sind. Es ist aber einklares Dunkel der anbrechenden Dämmerung und von derreizendsten Farbe im Bilde. Unbeschreiblich schön undergreifend ist der Ausdruck himmlischen Schmerzes undder Ergebung in Christus; es ist nicht möglich, diesestiefer und inniger zu empfinden, als es hier dargestellt ist.
— Ecce-Homo, lebensgrosse halbe Figuren, in der Na- 16.
onalgalerie zu London . Christus, mit Domen gekröntund dem Volke zur Schau ausgestellt, fünf Halbfiguren.Christus hat hier etwas überaus grandioses jn Antlitz undHaltung: selbst der höchste Schmerz entstellt diese wunder-baren Züge nicht; das Vorhalten der gebundenen Händevon edelster Bildung spricht an sich schon die tiefe Bedeu-tung des Leidens aus. Maria sinkt im Uebermaass desSchmerzes ohnmächtig in Magdalena’s Arme; der zuckendeMund, das erstarrende Auge sagt mehr als alle Geberdenauszudrücken vermöchten. Links ein Krieger, rauh, abervom Mitleid bewegt und nicht unedel; rechts Pilatus, gleich-gültig aus einer Fensterbrüstung schauend. Unvergleichlichschön, im Schmerze erblassend, ist das Haupt der ohn-mächtig hinsinkenden Maria. Das Bild ist strenger in derZeichnung, als es insgemein bei Coreggio gefunden wird. —Heilige F amilie, genannt la vierge au panier, wie- n.derum ein kleines Bild, in der National-Galerie. Mariasitzt in einer Landschaft, das lebhaft bewegte Christkindauf ihrem Schoosse; im Hintergründe der mit Tischlerarbeitbeschäftigte Joseph. Ein überaus liebliches, zart ausgeführ-tes Gemälde, voll frischer, seliger Lust und Freude, nur imAusdruck der Madonna etwas geziert. — Die „Erziehungdes Amor“, jetzt in derselben Sammlung, werden wirunten erwähnen. — In der Sammlung des Herzogs von jsSutherland (Staflordhouse) befindet sich ein Bild von ganzanderer Art als die vorigen; es ist ein Packpferd und einPackesel sammt ihren Treiben, in einer leuchtenden Land-
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