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Zweiter Band.
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26 Buch III. Italien. XVI. Jahrhundert. Venedig . §. 200.

§.200. Giorgio Barbarelli di Castelfranco, ge-wöhnlich Giorgione genannt, wurde um 1477 geborenund starb 1511. Er ist der erste unter den Venetianem,welcher die alterthümliche Befangenheit der BellinischenSchule ablegte, und die Kunst mit Freiheit, den Auftragder Farbe in einer kühnen entschlossenen Weise behandelte.Seine Gemälde haben insgemein den Ausdruck einer stren-gen, leuchtenden Kraft, einer innerlich verschlossenen Glut,welche zu der Ruhe, die äusserlich in seinen Darstellungenzu herrschen pflegt, einen sehr eigentümlichen Contrastbildet; es ist, möchte ich sagen, ein erhöhtes Geschlechtvon Menschen, welches die Fähigkeit zu den edelsten undgrossartigsten Aeusserungen des Lebens in sich trägt. Dieszeigt sich zunächst in seinen Portraits und Charakterköpfen.

* Vorzüglich schöne Portraits von ihm befinden (oder befan-den) sich in der Galerie Manfrini zu Venedig , namentlicheins, das eine Dame mit einer Laute im Arme darstellt,und ein zweites, darin man einen vornehmen Venetianersieht, der sich zu einer Dame umwendet, und auf der andern

2 . Seite einen zierlichen Pagen. Sehr ausgezeichnet ist auchGiorgiones eignes Portrait in der Münchner Galerie, einKopf voll bewegter Leidenschaftlichkeit, und mit einer eig-

3. nen Melancholie in dem dunkelglühenden Auge. Charakter-figuren, wie sein Saul und David in der Galerie Borghese

4. zu Rom ; David mit dem Haupte des Goliath in der kaiserl.Galerie zu Wien u. s. w. kommen mehrfach vor. Man kannoft im Zweifel sein, ob man ein eigentliches Portrait odereinen Charakterkopf, oder ein Genrebild vor sich hat, sosehr verstand es Giorgione , das menschlich Bedeutende unddesshalb Allgemeingültige an seinen Gestalten hervorzuheben.

5. Dahin gehört z. B. dasConcert in der Galerie Pitti (zweiGeistliche welche Klavier und Violoncell spielen, und ein

o. Jüngling); der Musikmeister der einen Knaben singen lehrt,

7. in der Nationalgalerie zu London ; das Bildniss eines Krie-gers nebst einer andern Figur, in den Uffizien zu Florenz ;

8. ein schönes Mädchen, welches die Hand auf die Schulter