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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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auch keine Haute zu kaufen, daran noch Füße oder Haupt wären. Die Zünfte standen unterAufsicht des Rathes, von dem sie ihre Briefe erhielten und dem sie ihre Abgaben entrichteten.

Die Gründung der größeren Gebäude und Kirchen durch die Fürsten werden wir weiter un«ten in dem artistischen Theile anführen; hier haben wir nur noch einige fromme Stiftungen vonBür-gern zu erwähnen. Herr Heinrich Schenk von Schenkendorfchatte 1331 dem heiligen Georg einen Al-tar in der Parochialkirche zu Wittenbcrg gestiftet, und zur Unterhaltungidesselben das Dorf LubeczMit dem Schulzcnlehne und allen Gerechtigkeiten, auch Zinsen und Weide von 2 Hufen im DorfeLubsdorf angewiesen. Rndolph Vüerstein hatte 1371, ebenfalls zur Unterhaltung eines vonihm gestifteten Altars, das DorfBerkow geschenkt und dennRathe die Verleihung übertragen.Dies genüge über die altere Geschichte Wittenbergs. Die Geschichte einzelner merkwürdiger Ge-bäude wird im artistischen Theile erwähnt; die spätern Schicksale Wittenbergs aber liegen demdem Zwecke gegenwärtiger Schrift zu fern.

B. Doctor Martin Luther .

Wenn ein Mann von tueom der nicht auf dem Schlachtfelde um den Lorbeer, oder

in dem Fürstenrathe UM die Bürgerkrone warb, der in demarmen Röcklcin eines Predigersund Professors" und unter demgeringen Schirm des Doctoryuthes" so großen Nachruhm ge-wonnen, daß nach dreihundert Jahren in der alten und neuen Welt seinem Andenken ein großesFest gefeiert und ihm von einem frommen Könige, dem mächtigsten Beschützer der deutschen evan-gelischen Kirche, in Gemeinschaft mit zahlreichen Verehrern im In- und Auslande, ein solchesDenkmal, wie das zu Wittenbcrg, gesetzt wird; dann dürfen wir wohl voraussetzen, daß Nie-mand zu diesem ehrncn Standbilde mit einer Anfrage um nähere Auskunft über den, dem es gilt,treten werde. Nicht also, um zu belehren und zu unterrichten, sondern um an Bekanntes zu er-innern , theilen wir in gedrängter Uebersicht das Leben Luthers in einer historischen Darstellungmit, für deren treue Zeichnung wir um so eher einstehen können, da wir die Züge dazu nichtvon irgend einem Nachbilde von fremder Hand, auch nicht aus eigner Erfindung nahmen, son-dern in dem Wort und der eignen Rede Luthers uns seinen Geist vergegenwärtigen.

Arme Bauersleute in dem Dorfe Möhre bei Eisenach in Thüringen waren die Eltern Luthers .Er ward den 10. Novci> er 1483 in Eisleben gebohren, wohin die Mutter, die ihre Niederkunftnicht so nah geglaubt, den Vater auf einer Geschäftsreise begleitet hatte. Das Kind erhielt,weil es an dem Martinstage gebohren, in der Taufe den Namen Martin. Bald nach der Ge-nesung der Mutter kehrten die Eltern nach dem Dorfe zurück. Der Vater Luthers war von un-ternehmendem Geiste; er verließ sein Dorf, um in Mannsfeld in den Bergwerken besser für sei-nen Erwerb zu sorgen, was ihm auch gelang; denn er starb dort als angesehener Rathshcrr undhinterließ ein Vermögen von 1000 Thalern. Mehr aber noch zeigte er in der Sorgfalt, die er

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