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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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;tur zurücktreten lassen; es ergab sich aber bald die Nothwendigkeit auch den äußern Gebrauchbei dem Gottesdienste neu zu gestalten, in so fern er eben als eine Aeusserung des Innern an-zusehen war. Luther reiste im Auftrage de " Kurfürsten in dem Lande umher, um so viel alsmöglich den Kirchendienst übereinstimmend einzurichten. In allem aber, was er in Beziehungauf Kirche und Geistlichkeit anordnet, ist der leitende Grundsatz der; daß die Kirche nicht mehrein von dem Reiche dieser Welt, von dem Staate getrenntes, wohl gar feindlich gegenüberste-hendes Reich sein soll, sondern ihm in gleicher Gemeinschaft desselben Rechtes und derselbenFreiheit angehöre. Es trat zwischen den sdnst Geschiedenen zwischen dem Staate und der Kirchedas Verhältniß der christlichen Ehe ein und Luther selbst konnte diese von ihm so oft verkündeteWahrheit, daß der Himmel und die Erde versöhnt seien, durch kein schöneres Symbol bekennenund bewahren, als daß er selbst in den Stand der heiligen Ehe trat.

Nicht der Trieb jugendlicher Leidenschaft, sondern ernster, männlicher Entschluß und derWille, als ganzer Mensch der Welt anzugehören, bewogen ihn, sich mit dem Frmlein Katharina von Bora zu vermahlen, die mit 8 andern Jungfrauen aus dem Kloster Nimtfchen bei Grimma von Lconhard Koppe, Bürger und Rathsherr zu Torgau , befreit worden waren. Er laße in allenEhren um die Braut, die ein Bürger von Wittenberg zu sich genommen hat, durch seinen Freund,den Bürgermeister Lucas Cranach , werben, und um nicht zu vorlautem Geschwätz Anlaß zu ge-ben, laßt er sich bald mit ihr trauen. Seinen Freunden theilte er jedoch auch in der Ferne sei-nen Entschluß mit; so schreibt er an Einen derselben:Lieber, lasset uns nicht höher stiegen, nochbesser seyn wollen, denn Abraham, David, Jesaias, Petrus , Paulus und alle Erzvater, Prophe-ten und Apostel und so n.-l wirtv» uno Bischöfe, die sich alle erkennet, daß sie Men-

schen von Gott geschaffen und sich nicht geschämt, Menschen zu seyn und zu heißen und sich auchdarnach gehalten haben, baß sie nicht einsam blieben sind. Wer sich der Ehe schämet, der schä-met sich auch, daß er ein Mensch sey und heißet; oder mach es besser, denn es Gott gemachthat! (1 Mos. 2. Es ist ist nicht gut, daß der Mensch allein sei)."

Einem andern Freunde (Amsdorfen in Zeitz ) schreibt er kurz nach seiner Verheirathung:Esist das Gerücht freilich wahr, daß ich mit der Catharina geschwinde getrauet worden, daß dieLeute darüber sich nicht erst die Mäuler zerrissen, wie es zu geschehen pflegt. Denn ich denke,daß ich noch kurze Zeit leben werde, habe also meinem Vater, der es verlanget, diesen letztenGefallen nicht abschlagen wollen."

Luther erfuhr das ganze Glück des häuslichen Lebens mit feinen Freuden und Sorgen;diehöchste Gnade und Gabe Gottes, so schreibt er, ist es, ein fromm, freundlich, gottesfürchtigGemahl haben, mit der du friedlich lebst, und darum ist keine lieblichere freundlichere noch an-muthigere-Verwandtschaft, Gemeinschaft und Gesellschaft, als eine gute Ehe." Als Lucas Cranach ihm das Bild seiner Hausfrau brachte, sagt er zu ihm:Nun will ich auch einen Manndazu malen lassen und solche zwey Bilder aufs Concilium schicken und die versammelten heili-gen Vater fragen lassen, ob sie lieber haben wollen den Ehestand, oder das ehclose Leben derGeistlichen. O wie wäre doch ohne diese liebliche Ordnung Gottes die Welt längst gar ödewüste und Alles umsonst geschaffen gewesen!"