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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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55
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wehren, oder einen Hasen fangen soll, darum können solches auch meine Reuter jagen; aber, wieman gottselig leben, christlich regieren, auch Land und Leuten löblich vorstehen soll, dazu bedarfich und meine Söhne gelehrte Leute, gute Bücher und Gottes Geist und Gnade." Er schriebdie Predigten in der Kirche in seiner Schreibtafel nach, und in Gotha zeigt man jetzt noch einenKatechismus Luthers , den er sich selbst geschrieben. Seine Diener trugen auf den Aermelndie Buchstaben seines und seines Bruders Wahlspknchs: V. D. M. I. JE. (Verbum Dominimanet in aetemum). Nicht erst die spatere Geschichte, schon seine Zeitgenossen nannten ihn denStandhaften; in Sielen schweren Zeitläuften, besonders aber auf dem Reichstage zu Augsburg hat er sich diesen Namen verdient, der hier um so höhere Bedeutung hat, da er ihn dort durchtreues Aushalten bei dem Worte Gottes erwarb. Wie sehr er bemühet war, daß seine Gesinnungin seinem Hause forterben möge, lesen wir mit Rührung in seinem Testamente, aus dem wir des-halb folgende Stelle mittheilen:Zu dem ersten vermahnen und bitten wir, befehlen dazu unsernlieben Kindern allensammt, Herren und Fraulein, daß sie vor allen Dingen Gott fürchten undlieben, und sein heiliges Wort und Evangelium sammt rechten Gottesdienst, die Tage ihres Lebensfördern und unsere Söhne dasselbe in ihren Landen und Gebieten, so viel ihre Liebden mit Got-tes Hülfe und Gnaden immer können handhaben, und sich davon nicht wollen wenden lassennoch schrecken, durch kein Dräuen, es sey in Concilien, uf Reichstagen, oder sonst so man widerdas Evangelium und heilwertige Gotteswort etwas setzen, oder verordnen würde, und diesen un-sern Vcvehlig erkennen wir uns mt allein aus Väterlicher Lieb, sondern auch aus GehorsamGöttlichs Gebots zu thun schuldig." Und zu dem Kurprinzen wendet er sich darauf noch inson-derheit, und fahret also fort:Und zwar zu unserm Lieben Sohn Herzog Johanns Friedrichen,haben wir väterliche ungezweiffenliche Hoffnung, nachdem sein Lieb durch die reiche Gnade Gottessein reines Wort wohl gefasset und beliebet, darzu auch bei seiner Lieb Jahren bereit an oft ge-sehen nnd erfahren hat, wie gnädiglich und wunderlich mit öffentlicher That, ehe aller MenschenRath und Hülfe, Gott der Allmächtige dasselbe Wort erhalten hat, beide bei weiland unserslieben Brudern Herzog Friedcrichen sel. und auch unsern Zeiten wider so mannigfaltige sorglich«Tücke und Fürnehmen fast der ganzen Welt ohne Zweifel angefangen hat, werde es vollführen,und über seiner Verhaischung vest erhalten. - - Deswegen unser lieber Sohn, Herzog JohannsFriedrich, ob Gott will, um keiner Menfchenfurcht oder Dräuen, noch einiger zeitlicher Sachenwillen von dem Göttlichen Wort lassen wird, und Gott wird Sein Lieb behüten, daß Sie nichtvon teuflischen Räthen verführt werde."

Don den vielen Zeugnissen der Mitlebenden, die wir zum ehrenden Andenken des Kurfürstenanführen könnten, wählen wir nur aus Luthers Predigten und M.elanchthons Rede an der Gruft,zwei kurze Stellen:

Ich will, sagt Luther , unsern lieben Kurfürsten nicht loben seiner hohen Tugend halben,sondern ihn auch lassen einen Sünder bleiben, wie uns alle, die wir die Straße auch gedenkenzu gehen, und unserm Herrn Gott manche starke Sünde überliefern wollen, daß wir bey i>c:nSlrtifel, der da hcist Vergebung der Sünden, bleiben. Darum will ich unsern lieben Landesherrnnicht so gar rein machen, wiewohl er ein sehr frommer freundlicher Mann gewesen ist, ohn alles