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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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todt, wer wird uns Hinfür das heil. Evangelium so klar fürtragen. Ach Gott, was hatt er unsnoch in zehn oder zwanzig Jahren schreiben mögen. O ihr alle fromme Christenmenschen, helftmir fleißig beweinen diesen gottgeistigcn Menschen und Gott bitten, daß er uns einen andernerleuchten Mann sende. O Erasme Roterodame, wo wilt du bleiben? sieh, was vermag dieungerechte Tyrannei der weltlichen Gewalt, der Macht der Finsterniß? Hör du Ritter Christi,reuth hervor neben dem Herrn Christum, beschütz die Wahrheit, erlang der Märtyrer Krön, dubist doch sonst ein alt Manniken. Ich hab von dir gehört, daß du dir selbst noch zwei Jahr zu-gegeben hast, die du noch lügest etwas zu thun, dieselben lag wohl an, dem Evangelium unddem wahren christlichen Glauben zu gut. O Erasme, halt dich hin, daß sich Gott dein rühmewie vom David geschrieben steht, denn du magst thun und fürwahr, du magst den Goliath fallen.

3 .

Aus dem Tagebuche eines Studenten der Theologie, Namen-

Keßler, aus der Schweiz , zu Luthers Zeit.

[5DU Doctvr Martinas kuiher mir, Johannes Keßler , auf der Reif nach Wittenberg begegnet.,

jpicr kann ich nit unterlassen, wie mir. Äo>hann«s Keßler, und meinem Mitgesellcn, JohannesReutiner, Martinus Luther , als er aus seinem Gefängniß (er verreiste den 3. März von derWartburg ) erledigt, wiederum gen Wittenberg reiten wollt, begegnet ist, hie zu verzeichnen.Alsdann wir von Studicrcns wegen H. Schrift gen Wittenberg reisicnd, kamend wir gen Jena im Land Türingen (weiß Gott in einem wüsten Gewitter); und nach viel Umftagens in derStadt um Herberg, da wir können übernacht bleiben, haben wir keine erhäschen noch erfindenkönnen. Allenthalben ward uns Herberg abgeschlagen; denn es war Faßnacht, wo man alsdannund sonstcn nit vil Sorg für die Bilgcr trägt. Sind wir aus der Stadt wiederkehrt, weiter zughen, bis wir in ein Dorf langten, da man uns beherbergen wollt. Indem so begegnet unsunter dem Thor im Herausgchn ein ehrbarer Mann; spricht uns freundlich zu; fragt, wo wirdoch so späht hinwollten? Dann wir -in keiner Nahe weder Haus noch Hof, da man uns be.hielt, vor finstrer Nacht erlangen möchten; zu dem so ftye fthliger irriger Weg; derohalbener uns rathe allhicr zu bleiben. Antworten wir:Lieber Patter, wir sind bey allen Wirthshäu-sern gftyn, da dann man uns hin und her gewiesen hat; allenthalben hat man uns versagt undabgewiesen; müssen also Noth halben fürbas ziehen." Sprach er: Ob wir auch im Wirthshauszum Schwarzen Baren einkehrt oder gfragt hattend? Sprachen wir:Es ist uns nit begegnet.Lieber sagend, wo finden wir bis?" Da zeigt ers uns ein wenig vor der Stadt. Und wie wirden schwarzen Bär fachcnd, siehe! wie uns vor alle Wirth Herberg abgeschlagen, also kam derWirth unter die Thür, hueb uns auf, und empot sich sclbs uns zu Herbergen gutwillig; fürt