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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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mit, daß er den Gruß von Euch verstände?"" Sprach er;Saget ihm nit mehr denn das: derda kommen soll, lesset Euch grüßen; so versieht er die Wort bald." Also verschied er von unsin sein Ruh. Darnach kamen die Kauflüth wieder in die Stuben, hießen den Wirth ihnen nocheinen Trunk auftragen, unter welchem sie viel Unterredungen hielten, des Gasts halben, so beyihnen gesessen wäre, wer er doch wäre. Doch der Wirth ließ sich merken, er hielt ihn für denLuther, und sie die Kaufleuth, ließen sich bald bereden; bedauert und bekümmerten sich, daß sieso ungeschickt von ihm geredt hatten, und sprachen, sie wollten am Morgen desto früher aufstahnehe denn er hinweg reite, und bitten, er wolle es nit an sie zürnen, noch im Arger messen; dannsie sein Person nit erkandt haben; das ist geschehn, und haben sie ihn am Morgen im Stall fun-den. Aber Martinus hat geantwortet rIh habent Recht über dem Nachtessen geredet, ihr wol-lend 10 st. dem Luther nach verzehren, und ihm beichten: wann ihr dann ihm beichtet, werdendihr wohl sehen und erfahren, ob ich der Martinus Luther seye'." und stch weiter nicht zu erken-nen geben, dann bald aufgesessen und gen Wittenberg zugeritten. An demselben Tag sind wirauf Wittenberg zogen. Am Samstag darnach (wie Martinus den Freitag zuvor) als Morndeß*)der erst Sonntag in der Fasten, sind wir bey dem Doctor Hieronymo Schürpfen einkehrt, auchunsere Brieff zu überantworten. Wie man uns in die Stuben berufft, siehe da finden wir Mar-tinum gleichermaßen'wie zu Jena , bei Philippus Melattchthon, Justus Jodoeus Jonas, NielausAmtsdorf, Doctor Augustin Schörpf, erzählende, was sich :'u seinem Abwesen zu Wittenberg ver-koffen habe. Cr grüßet uns und lächlet, zeiget mit dem Finger und spricht:Diß ist der Phi­ lipp Melanchthon , von dem ich Euch gesagt habe." Da kehrt sich Philippus gegen uns, fragetuns vil und mancherley der Lausten bald, deß mir ihm, so viel wir wüßten, Bescheid gaben. Also

verzerten wir denselben Lag mit ihnen, unserthalb mit großen Freuden und starkem Verlangen.

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Lehrer-Verzeichniß (Rotulus doctorum ) der Universität Wittenberg

vom Jahre 1507.

In sacra Theologie Ordinarii et Extraordinarii Conducti.

D. Joannes de Staubitz, artium et sacre Theologie magister Tubingensis, ordinisheremitarum Vicarius.

Dns. Martinus Polich de Mellerstadt^ artium et medicinarum doctor Lysensis.Sacre pagme magister Wittembergensis, Gymnasii nostri Vicccancellarius, facultatis Theo-logice Decanus et ordinarius Wittembergensis.

*) Morndeß, Morgens, morgenden Tages.