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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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91
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St

diele unerhebliche fleißig und genau beschrieben von Menzius , Dle ältesten haben meistens dieim Kupferstiche (Tab. Q.) dargestellte Form, z. B. des Basilius Mathai, eines hiesigen Sena-tors, gestorben den 7. März issi, wie Menzius berichtet, in der Tracht abgebildet, mit welche?er der Einweihung der Universität beigewohnt hatte. Ferner Sara, Bugenhagens Tochter,Cracov's Frau, auf der Ostseite, in Trauerkleidung. Dort befindet sich auch ein Relief, Jesusam Oelberge mit den schlafenden Jüngern, was man gewöhnlich, durch die sonderbare Gestaltungdes Gärtcnzaunes darauf verführt, für das Fegefeuer halt. Ebendaselbst ist auch ein leeres,vierecktes Feld in der Mauer, worin ehedem Christus am Kreuze, Johannes und Maria zur Seitegemalt war, wobei Kaiser Carl V. nach seinem Einzüge in Wittenberg seine Ehrfurcht bezeigthaben soll. Die oben am Dache in Baren- oder Satyrgestalt angebrachten Figuren erwartennoch ihre genügende Deutung; sie sind aus der ältesten Zeit.

Die Kapelle zum heiligen Leichnam stehet neben der Stadtkirche, wurde ehedem beiBegräbnissen gebraucht und muß vor 1368 gestanden haben, da Chariti'us in seiner handschristl.Chronik einen alten Vergleich zwischen den Canonicis der Schloßkirche und den Brüdern dieserKapelle von diesem Jahre gesehen zu haben versichert. In einer Urkunde des Kurfürsten Wen-jeslaus über den Altar darin heißt sie Capella nova. Wegen ihrer reichen Dotationen wurdesie schon in der Reformationszeit im Jahre 1533 zur Besoldung der Geistlichen und Schullehrerangewiesen, die einen Theil ihres Gehaltes bis setzt noch daraus ziehen. Sie heißt gewöhnlichblos die Kapelle, und seit jener Zeit wird kein Gottesdienst, sondern blos Versammlungen fürRcchnungssachcn, darin gehalten. Außerdem findet man daran noch ein Epitaphium in Stein,gut erhalten. Das von Leopold S. 90 jn dieser Kapelle erwähnte Gemälde den bildlichen Aus-gang des heiligen Geistes darstellend, findet sich nicht mehr.

Luthers Wohnung !m Augustiner Kloster und das Augusteum.

Die Stiftung dieses Klosters, an dem östlichen Ende der Stadt, beim Elsierthor gelegen,setzt man ohne zureichenden Grund ins Jahr 1365. Am meisten dürfte für unsere Leser dasgenüge«, was ein Zeitgenosse Luthers *) davon aus dem Jahre 1518 erzählt,:Zu Wittenberg war das Augustiner Kloster neu angefangen zu bauen, und nicht mehr denn das Schlafhaus, da-rinnen itzt D. Martinus noch wohnet, ausgebauet. Die Fundamente der Kirche waren angele-get, aber nur der Erden gleich bracht. Mitten in denselben Fundamentis stund eine alte Kapelle vonHolz gebaut, und mit Lehm gekleibt; diese war sehr baufällig, war gestutzet aus allen Seiten.Es war irgend, wie ichs gesehen, bei 30 Schuhen lang und 20 breit, hat ein klein alt rostig Em-porkirchlein, darauf 20 Menschen kaum mit Noth stehen konnten. An der Wand gegen Mittagwar ein Prcdigtstuhl von alten Brettern, die ungehobelt; ein Prcdigtstühlchen gemacht, irgend l|Elle hoch von der Erde ». Jn Summa, es hat allenthalben das Ansehen, wie die Maler den

*) Friedr. Myconius (.in Hjstor. Reform. S. --4.) gestorben zu Eocha 1546.

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