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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Die Bilder des Herzogs Rudolph und seiner beid en Gemahlinnen

v o n S t e i n.

fXah. G. UNd g.]

Hinter dem Altare sind in der Mauer eingesetzt zwei Lcichensteine von Sandstein, sie wurdenim Jahre 1544 auf Befehl Kurfürst Johann Friedrichs aus der Franciskaner-Klostcrkirchc hier-her gebracht, und stellen den Herzog Rudolph mit seiner letzten Gemahlin Agnes, daneben aufdem andern Steine, seine erste Gemahlin Kunigunde vor. Die Arbeit ist verschieden. Der Ku-nigunde Gewand ist zaghaft und wenig erhaben gearbeitet. Der Gang der Falten und die Liniendes Saumes sind bedächtig und verständig angegegeben, und das Ganze hat eben so viel Reliefals jener Stein, wo Mann und Frau zusammcnstchn. Das Bild des Herzogs ist steif, aber inder Gestaltung der Frau ist eine Beugung der Glieder, und- ein dreister Faltenwurf, wodurcheine gewisse Anmuth entstehet, die selten in den Arbeiten jenes Zeitalters vorkommt; die Figurensind in Lebensgröße. Eine frühere Abbildung dieses Denkmales gab Kirchmaier in s. lat. Ab-handlungen de Wiuenbevga i75o. S. 130. Dasselbe Denkmal hat auch Rcyher a. a. O. treuabgebildet, aber er versetzt es nach Weimar , und sagt, es .stelle den Kurfürst Johann Friedrich und seine Gemahlin Sibylla vor.

Die nenn heiligen Jungfrauen von Stein, eben daselbst.

[Tab. H.]

Unter dem vorheraenannten Denkmale ist ein schmaler Streif von Sandstein, worauf diekleinen Figuren von neun heiligen Jungfrauen oder Märtyrerinnen gearbeitet sind; aus demgestochenen Umrisse erhellet, daß sie nicht ü.bcl erdacht sind. Bei Faber S. 198 heißen sie: S.Ursula, S. Clara, S. Elisabeth«, S. Catharina, S. Dorothea, St. Barbara rc.

Die Krönung Marias;

M e t a l l g u ß.

[Tab. I.]

Hinter dem Altar der Schloßkirche versteckt, findet man diese künstliche Arbeit, die sich mitdem Besten, was in dieser Art zu jener Zeit in Italien gearbeitet wurde, messen darf. Die Zeich-nung ist im edelsten Stil, der Kopf Gott des, Vaters ist hier von Metall, von so würdigem Aus-druck, wie er selten auf Bildern der besten Meister gefunden wird, eben so zeigt der Kopf desSohnes Gottes von dem tiefen Gemüthe des Künstlers, der zugleich die Herrlichkeit dessen, derzur Rechten Gottes thront, und die bescheidene Freudigkeit des Sohnes, der seiner Mutter diehimmlische Krone reichen darf, sehr glücklich ausgedrückt hat. Zwischen Vater und Sohn knicctMaria, demurhsvoll die Hände gefaltet; der Ausdruck ihres Gesichtes erinnert an die in deut-schen Gemälden dieser Zelt vorkommenden Mgrienköpfe, ist jedoch nicht von der Schönheit imAusdruck, wie die von Gott dem Vater und Christus, worüber wir jedoch nicht aburtheilen wol-len, da durch die schwarze Uebertünchring des Metalls, die leiseren Gesichtszuge eines Frauen-