36 Die Giebelgruppen des Pnllastempels auf Aegina.
gearbeilet sey. Auch die, welche über die Vollkommenheitder Behandlung des Nackten am günstigsten urtheilen, fin-den es wenigstens theilweise nicht von Zwang und Hartefrei: und natürlich können wir doch weniger davon sprechen,wie weit es vor Phidias die Kunst noch nicht gebracht habe,als wie weit nach und zu seiner Zeit sie in Freiheit undGeschmack nicht mehr zurückgewesen seyn könne. Es istzu beklagen, dass nicht eine strenge Vergleichung mit denFriesen vom Parthenon , noch mehr aber mit den Rundbil-dern der Elginschen Sammlung, an denen die Naturnachah-mung gleichfalls so grosses Erstaunen erregt hat, eigendshat angestellt werden können. Von da müsste man zu denFriesen des Theseustempels übergehn, der, obwohl nachnicht ganz sichrer Rechnung, über zwanzig Jahre früher alsdas Parthenon gesetzt wird. Aber, entgegnet man, dieKunst hängt nicht durch einen einzelen Faden zusammen,sondern die Einwohner von Aegina als Dorer — denn dasssie früher Achäer als Dorer waren, macht für den Styl derKunst keinen Unterschied — konnten noch das Alte festig-ten, als Athenische Kunst schon den freiesten Flug nahm.Sind doch manche gleich so weit gegangen, den neuenNamen Aeginetische Kunst auf den ganzen altgriechischenStyl, wovon noch Ueberreste zu vielen Hunderten zu zählensind, aus allen Gegenden entweder wirklich oder dem Ur-sprung nach herrührend, überzutragen, wobei diese Aeginäersehr bedauernswerth erscheinen, dass, nachdem von ihnendie ganze Griechische Welt die Form ihrer heiligen Bild-werke angenommen hatte, sie plötzlich voranzugehn aufhö-ren und vielmehr so sehr Zurückbleiben. Dass am Alter-thümlichen zu halten, zum Dorischen Wesen gehöre, kannman gern zugeben, ohne eine so weit gehende willkürlicheAbsonderung in Sachen der Kunst für wahrscheinlich zuhalten. Statt aller tiefer liegenden Gründe gegen eine solcheAnsicht bedarf es nur offenbare Thatsaclien vor Augen zuhalten. Wenn der Aeginer Anaxagoras gewählt wird, denaus der Platäischen Beute von den Hellenen zusammen in