Buch 
3 (1851) Griechische Vasengemälde / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
179
JPEG-Download
 

179

Boreas und Oreilhyia.

deutung zurückgeführt. Indem wir wieder einlenken, bleibtuns übrig den Charakter der Figuren, der mit der Compo-sition zusammengenommen den Styl, den ausgesprochenenGeist des Kunstwerks ausmacht, zu beurtheilen. Was indieser Hinsicht bei dem ersten Anblick sich mir aufdrängte,ist mir bei näherer Untersuchung immer deutlicher und mehrzur Ueberzeugung geworden, dass nemlich diese Zeichnungin allem Wesentlichen mit dem übereinstimmt was über denStyl des Polygnot bekannt ist, und dass in dieser Hin-sicht unter allen bis jetzt öffentlich bekannt gewordenen Va-sengemälden dem unsrigen keines auch nur nahe kommt *).

Die Hauptmerkmale des Polygnotischen Slyls möchten infolgenden bestehn:

1) plurimum picturae primus contulit. Siqvideminstituit os adaperire, dentes ostendere, vultum ab antiquorigore variare. Plinius will sagen dass Polygnot den ste-henden, einförmigen Typus der Gesichter, den die alten Ma-ler wie die Bildhauer befolgten, durchbrach, Natur, leben-dige Manigfaltigkeit und Individualität auszudrücken anfieng.Da vorzüglich in dem gekniffenen Munde, wie auch imSchnitt der Augen der Zwang des alten Typus sichtbar ist,so wird an diesem Theil der Unterschied der neuen Behand-lung zweckmässig gezeigt. Aus Lucian sehn wir dass die

**) Am nächsten in Grossheit, Geist und Styl möchten demselbenkommen einige in Girgenli gefundne Vasen, besonders unter denvon da in das Museum 7,11 Palermo versetzten und von Polili 1841berausgegebenen Cinque Vasi die mit Triptolemos , Demeter undKora, Keleos und Hippothoos: Rv. Zeus welchen Thetis und HE02für ihre Söhne anflehen, Tat. 7. 8 (filite ceramogr. III, 62) und eineRacchische Taf. 2; dann auch aus Agrigent Zeus den kleinen Dio-nysos den Hyaden übergebend, Vases Luynes pl. 28 (dieselbe die auchNot. 82 vorkommt), auch der Abschied des Achilleus von Nereus in dem-selben Werk 21. 22. Besonders auch eine Trinkscbale jetzt in Mün-chen , auf dem Boden eine Bacchantin s. Tbiersch über die Hellenischenbemalten Vasen Taf. IV S. 80. Den vor dem Odysseus aufsteigendenGeist des Tiresias in einem unten zu besprechenden Vasengemälde kannman sich sehr wohl als Erfindung des Polygnot in Delphi denken.

12 *