Prometheus.
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Beiträgen Taf. 8 eine Abbildung gegeben. Prometheus sitztganz nackt, nicht neben einem Pfeiler oder Pfahl, wie Jahnsagt (S. 228), an welchem man ihn sich angebunden den-ken müsse, obgleich die Bande nicht sichtbar seyen; son-dern er ist von dem Pfahl durchspiesst, wie sowohl untenals oben deutlich ist und auch aus der ganzen Stellung sichergiebt, also ganz nach Hesiodus:
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Eben so sehr im Geist anfänglicher Kunst ist es dass Pro metheus die mit Handschellen zusammengebundnen Annedem Adler entgegenstreckt als ob er ihn abzuwehren ver-suchte, dass dieser Vogel so furchtbar gross ist, dass dieBefreiung durch Herakles der hinter dem Gepfählten denBogen anlegt, durch zwei gewaltige, den einen Flügel desAdlers eben erreichende Pfeile verdeutlicht wird, dass Zeus
2) Theogon. 521. Auch E. Braun im BuIIett. 1840 p. 148 sahnur einen angebundenen Prometheus, eben so Gerhard in seinemVerzeichnis („Pr. sitzt an einer Säule fest”); auch sie beide liess dieheilige Scheu vor dem Greuel nicht sehen was vor Augen ist. Nichtanders ist es den Auslegern hinsichtlich der klaren Worte pioov d*#-hiaouq xiova ergangen. J. H. Voss übersetzt : „Mit den gewaltsamenBanden die mittele Säule durchschlingend.” G- Hermann sagt Opusc.VI p. 176, diese Worte, „worein Heyne sich nicht finden konnte,”hätten sowohl an sich als wegen der von Aeschylus im Prom. 64angenommenen Auslegung in Göttlings Ausgabe einer Erläuterungbedurft. „Hesiodus meinte wohl dass die Handschellen in der Milleder Säule angeschlagen waren.” Aber die auf den Kaukasos ange-wandte Nachahmung des Aeschylus spricht gegen die zu ängstlichenAusleger: denn ist ein durch die Brust geschlagener Keil etwa vielbesser als das Pfählen? Diess selbst aber, eine besonders im Orientübliche Art der Hinrichtung, ist für eine zärtlichere Einbildungskraft,auch als eine fortdauernde Pein doch nur eine Kleinigkeit gegen dasFressen der unsterblichen, jede Nacbt wieder nachwachsenden Leberdurch den schwingenentiälteten Adler welches Hesiodus hinzufügt.Im Vasenbild ist der Adler auch jetzt wieder im Anzug zu seinemTagewerk; und auf diese Art konnte im Bilde die spätere Dich-tung von dein Befreier Herakles mit der ersten verknüpft werden.
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