Buch 
3 (1851) Griechische Vasengemälde / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
295
JPEG-Download
 

Herakles gegen drei Götter kämpfend. 295

fernter Beziehung an demselben Tlieil nehmen. Sie thunes nur leidend, in Furcht und Schrecken, wie schon be-merkt. Das Streiten mit Dreizack und Stab oder das Dräuendamit neben den in die Ferne reichenden Bogen gehört zuden Dingen die Lessing dem Maler erlaubt haben würdeaus einem Dichter nicht aufzunehmen. Hier würde es mitdem ruhigen Charakter und dem Geschmack feierlicher Prachtund Schönheit der. Gewänder und wie einstudirter Zierlich-keit in allen Bewegungen durchaus unverträglich gewesenseyn. Ein bestimmtes Motiv dazu in der Furchtbarkeit desHerakles wies ich vorhin schon nach: dass die Kunstmytho-logie einem Stoff eine neue Seite abgewinne, sind wir in somanchen mit erfinderischem Geiste neu behandelten Aufga-ben zu sehen gewohnt. Man kann auch nicht sagen dassMangel der Attribute Zweifel errege: denn da Apollon undPoseidon die ihrigen haben, so ist wohl der drille der Göt-ter mit seinem Herrscherscepter, zumal bei der Gegenüber-stellung des Herakles kenntlich genug bezeichnet. Zufälligist es offenbar nicht dass Poseidon und Hades in einer voll-kommen übereinstimmenden Haltung dargestellt sind, worinder kleine Unterschied in der Fassung des Stabs und desScepters nichts ausmacht. Wie würde hingegen dieses Ab-wenden des Kopfs von den Streitern für Zeus sich schicken?Als der oberste Herr und Gebieter, wenn er sich in dasMittel legte oder hinzugesetzt wurde, musste er ganz notli-wendig nach den Streitern hingewandl seyn. Nicht minderHere wenn diese je dem Zeus zur Seite stände wo er inentscheidenden Augenblicken einschreitet. Dass Amphitrite nicht auch, der Persephone gleich, das Gesicht abwendet,sondern muthiger nach dem Herakles hin kehrt, hat wohlnur den malerischen Grund Einförmigkeit zu vermeiden.Hermes endlich braucht nicht den Befehl des Zeus zu ver-nehmen wenn dieser handelnd selbst aufgetreten ist. Dassalle drei Göttinnen gleichmässig die Rechte erheben drücktwohl Staunen und Unwillen aus über den Hader unter denGöttern, nicht Freundschaft oder Aussöhnung, woran Iorio