386
Kadinos.
seitdem von Millin und von Millingen edirten Vasengemäldenvor; auch sah ich bei Herrn Skene in Ampelokipos beiAthen an einem kleinen Attischen weissen Lekythos, einerKlasse die nur sehr selten mythische Gegenstände enthält,den Kadmos mit dem Sclnverdt (nicht Stein) gegenüber demDrachen. Die Hochzeit des Kadmos mit der Harmonia ent-hält ein Basrelief ehemals im Pallast Albani, das sich jetztnicht mehr in Rom befindet. Dass wir in diesem sehr be-schädigten Marmor diese bedeutende Vorstellung erkennen, verdanken wir dem sinnigen Geiste Zoegas der darüber eine sei-ner schönsten und gehaltreichsten Erklärungen ausgeführt hat.Unserem Vasengemälde ist eigenthümlich die Verknüpfung derbeiden genannten Gegenstände in eins, die Darstellung des Sie-ges des Kadmos über den Drachen mit bestimmter Hindeutungauf seine Verbindung mit der Tochter des Ares und der Aphro-dite . Die Schriftsteller, wenn sie nicht die seit Hesiodus be-sungne Hochzeit für sich allein erwähnen, wie Pindar undEuri-pides, setzen sie, von Apollodor und Diodor an, nach demDrachenkampf, ohne sie mit diesem in ursächliche Verbindungzu bringen. Der Künstler, welchem es weniger oblag aufUrsprung und innere Motive uralter Fabeln Rücksicht zu neh-men, wollte wahrscheinlich, nach der Vereinigung der bei-den berühmten wiewohl von der Kunst unsers Wissens imAlterthum verhältnissinässig sehr wenig behandelten Geschich-ten zu urtheilen, sie in gleiche Linie mit denen bringenworin eine Schöne der Preis irgend einer wunderbaren Gross-that eines Heroen ist; wie denn in der Thebisehen Mytholo-gie selbst dem Oedipus die schöne Iokaste zu Theil wirdweil er die Stadt von einem Ungeheuer befreit hat. Kad-mos kam nach der Sage von aussen, Harmonia aber wareinheimisch. Der Drache, der Sohn des Ares, als des älte-sten besondern Thebisehen Landesgotts, oder der Hüter derAreischen Quelle, welche bekannter ist unter dem NamenDirke 2 ), wehrt dem Fremdling aus ihr das Wasser der Li-