Taf. XXIX.
Diese Composition gehört aus mehr als einem Grunde zuden wichtigsten die in neuerer Zeit uns durch Vasen bekanntgeworden sind. Sie stimmt mit der Odyssee im Anfang derNekyia so genau überein als ein geschickter Künstler miteinem dichterischen Vorbild übereinstimmen kann; und sieist so meisterhaft, so offenbar aus einem grossen Künstler-geist hervorgegangen dass man unwillkürlich an Polygnot,der in der Lesche zu Delphi demselben Vorbilde grüssten-theils sich eng angeschlossen hatte, denken muss und sichfragt, ob sie nicht gar seinem grossen Gemälde, worin dieseScene den Mittelpunkt ausmachte, vermittelst weithin ver-breiteter Copieen abstammen möchte. Minervini hat diesswirklich vermuthet. Odysseus sitzt auf zusammengelegtenSteinen, die sein Mantel bedeckt, am Rande der Grube dieer eine Elle gross ins Gevierte, nach Homer , für die Todtengegraben hatte; daran goss er Spende von Meth, Wein undWasser aus, worauf Mehl gestreut wurde, und liess dasBlut der zwei schwarzen Schaafe, eines männlichen und ei-nes weiblichen, welche Kirke ihm in das Schiff gebundenund welchen er mit seinem Schwerdte die Köpfe abgeschnit-ten hatte, in die Grube fliessen. Nach dieser drängten sichdie Schatten, Elpenor voran, der um ein Grab flehte, undAnlikleia, des Odysseus Mutter. Er wehrte ihnen zu trinkenbevor Tiresias getrunken und ihm prophezeit hätte. Dessen
•) Annali d. I. a. T. XVII p. 210—215' Mon. d. I. IV, 19.