Musäos, Zögling der Musen *).
Taf. XXXI.
Unter Tausenden von Vasen aus Vulci glänzt die vor-liegende als ein Kleinod der reinsten Griechischen Kunsthervor. Es ist eine Amphora der Nolaischen Art, die Mün-dung gleich einer Schale oder einem Schüsselchen. Mit die-ser Schlankheit ist nicht bloss der Hals mit den gewundnenHenkeln daran und der Fuss in Übereinstimmung, sondernvorzüglich auch die Hohe der von oben bis tief unten rei-chenden Figuren, die so mit dem Raum in dem einzig schick-lichen Verhältniss stehn und die Schlankheit des Gefässesnoch stärker in das Auge fallen lassen. Die Ausführungin den Figuren ist ohne allen Anspruch, die Leichtigkeit ei-ner vollendeten Übung und Sicherheit überall fühlbar, sodass das Leben und die natürliche Anmuth der Gestalten,so in der einfachen Haltung im Ganzen wie in jeder Bewe-gung einzeln, um so einnehmender wirkt je mehr man dar-auf sieht, wie die sparsamen Linien hingeworfen, hingespieltzu seyn scheinen. Es liegt in der That in solcher Zeich-nung durch blosse Umrisse ein eigenlhümlicher Vorzug künst-lerischer Wirkung.; Die Gegenstände scheinen wie in dieFerne gerückt, aber zugleich wie im klaren reinen Aether
°) Bullen, del Instiluto arcbeol. 1845 p. 219 — 223. Die Vaseist jetzt im Biblischen Museum und die Zeichnung derselben ver-danke ich der besondern Gefälligkeit des Herrn George Scharf jun.des Begleiters des Sir Charles Fellows auf den Reisen in Lykien ,welcher mit Erlauhniss des Conservators Herrn Samuel Birch eineDurchzeichnung gemacht und diese mit grösster Sorgfalt verkleinert hat.