Antigone parodirt *).
Taf. XXXV, 1.
Das von Gerhard Ant. Bildvv. Taf. 73 bekannt gemachteVasengemälde wird von Panofka in den Annali del inst, ar-cheol. T. 19 p. 216 tav. K auf die Scene der SophokleischenAntigone bezogen, wo der Wächter die bei den Leichnamenvon ihm ergriffne Antigone dem Kreon gefangen zuführt(390—419), und es stimmt allerdings das Costüm in demFürsten und dem Schergen, der am Hals gepackte Gefangneund das von dem Dichter erwähnte Gefäss zur Todtenspende,das er hält, in Verbindung mit der weiblichen Maske in sei-ner Hand, so wohl zusammen dass man nicht zweifeln darfan der Beziehung des Bildes auf die genannte Scene. Soauffallend es ist selbst die Antigone im Gemälde komödirtzu sehn, die mir weder bei einem Griechischen, noch bei einemRömischen Dichter als Gegenstand der parodirenden Komö-die bekannt ist, so wird man doch schwerlich eine andrescenische Gruppe ersinnen können in welcher der ganzeInhalt dieser bildlichen Darstellung eben so zwanglos undvollkommen aufgienge als in der hier vorausgesetzten Paro-die. Nur trifft Panofka den eigentlichen Gedanken dieserParodie gewiss nicht indem er annimmt dass der kahlkö-pfige Alte in weiblichem Anzug eine Frauenrolle spiele (p.217), und dass die Strafbare (la covpable) ihre weiblicheMaske abnehme und so dem Kreon und den Zuschauernden Irrthum des unglücklichen Wächters zeige (p. 219), son-
*) Gerhards Archäol, Zeit. 1848 S. 333.