Band 
Zweyter Theil.
Seite
138
JPEG-Download
 

rz8 Zweytes Buch.

<->«-> gen: diese große Sache ward in einer feyerlichen15 2 2 Versammlung des Senats in Berathschlagung ge-

zogen. Der Proveditor, Andreas Gritti, der ehe-mals in der französischen Armee gedient, und sichfreundschaftlich mit ihnen verbunden hatte *),sprachfür sie: Georg Cornaro, ein Edler von Venedig,sprach für den Kaiser. Ganz Europa hatte seineAugen auf den Staat von Venedig gerichtet, underwartete stillschweigend sein Orakel. Richard Pa-ce, Gesandter des Königs von England, Hierony-mus Adorno*-), Bevollmächtigter des Kaisers, ga-ben sich beyderseits die lebhafteste Mühe eine gün-stige Entscheidung zu erhalten ***).

Frankreich verlangte nicht, daß sich der Senatfür seinen Vortheil erklären sollte; Es beschwor ihnnur seine Entscheidung noch einen Monat aufzu-schieben. Es versicherte, Franz würde vor Ablaufdesselben über die Alpen gehen, mit einer fürchter-lichern Armee, als man jemals in Italien gesehenhärte. Ludewig von Canossa, Bischof vonBayeux,ehemaliger Bischofvon Tricarico, und Bothschafter

Leons

*) Er ward einige Zeit nachher Doge.

**) Adorno, ein sehr tiefdenkender, und über sein Al-ter erfahrner Minister, starb mitten unter diesen Un-terhandlungen , die er mit großer Geschicklichkeittrieb. Marino Caraccioli, päpstlicher Protonota-rius , und nachmaliger Cardinal, trat nach seinemTode an seine Stelle.

***) Der Erzherzog Ferdinand, den der Kaiser, seinBruder, zum Statthalter in Deutschland gemacht,und ihm die österreichischen Erblande überlassen hat-te, hatte gleichfalls einen Gesandten in Venedig.