30
Architektur. Grahmäler. Columbarien. Pompeji.
asammen. Auf dem neuen Campo santo bei Neapel und anderswohat man dieses Motiv wieder aufgegriffen und sowohl Familiengrüfteals auch Grabcapellen für die Mitglieder der sog. Confraternitäten inForm von kleinen Tempeln errichtet. Trotz der meist sehr oberfläch-lich geliandhabten antiken Nachahmung ist jenes Camposanto jetzt derschönste Kirchhof der Welt, auch ganz abgesehen von seiner Lage.Andere Kirchhöfe, deren Werth in den prächtigsten Separatgräbern be-steht, werden ihn in der Wirkung nie erreichen. Und wie viel grösserwürde diese noch sein, wenn man die echten griechischen Bauformenangewandt und nicht ein abscheulich missverstandenes Gothisch nebendie lahme Classicität hingesetzt hätte.
Ohne allen baulichen Schmuck erscheinen (wenigstens jetzt) einigesog. Columbarien, unterirdische Kammern mit bisweilen äusserstzahlreichen Nischen (bis auf 150) für die Aschenkriige. So dasjenigeh für die Dienerschaft des augusteischen Hauses an der Via Appia (inner-c halb Porta S. Sebastiano) und dasjenige in der Villa Pamfili. Ihre innereVerzierung besteht, z. B. beim letztem, in einem gemalten Fries, an-derswo in Arabesken an der gewölbten Decke u. s. w.d Endlich bietet uns die G r aber Strasse Pompeji’s eine ganzeAnzahl der verschiedensten Grabformen dar, Capellen, Altäre, halb-runde Steinsitze u. s. w. Die neuere Decoration, in ihrer Verlegen-heit um würdige Gestaltung der letzten Ruhestätte, hat sich oft hielieran die Heiden gewandt, um sich Rathes zu erholen, und unsere nordi-schen Kirchhöfe sind damit nur noch bunter geworden. Die Alten werdenuns aus der Grabmäleranareliie, in die wir aus innern Gründen un-serer Bildung verfallen sind, nie heraushelfen, so lange wir ihnen nurden Zierrath und nicht das Wesentliche ahsehen, nämlich das Collec-tivgrab. Dieses ist freilich am ehesten bei der Leichenverbrennungmit massigen Mitteln schön auszuführen, und unsere Sitte verlangt be-harrlich die Beerdigung, ohne darauf zu achten, welches Schicksal späterdie Gebeine zu treffen pflegt, sobald ein Kirchhof einer andern Be-stimmung anheimfällt, und wie viel sicherer die Aschenkriige in einemverschlossenen kleinen Gewölbe geborgen sind. — Seit dem II. Jahr-hunderte kamen mit der Beerdigung die Sarcophage wieder in Ge-brauch, welche theils im Freien, theils in unterirdischen Grüften, tlieilsin GrabgebHuden wie die bisher üblichen gestanden haben mögen.