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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Architektur. Thermen. Pompeji .

wenn, für alle Zuschauer gesorgt sein sollte. Man fragt wiederum ver-gebens: wo gerieth diese Masse von Baumaterial hin?

Wie die Gebäude für Schauspiele den römischen Aussenbau cha-rakterisiren, so sind die Thermen die grösste Leistung des römischenInnenbaues.

a Die öffentlichen Bäder von Pompeji , mag darin auf Stadtkostenoder gegen Eintrittsgeld gebadet worden sein, zeugen merkwürdig fürden Luxus künstlerischer Ausstattung, welchen man selbst in der klei-nen Provincialstadt verlangte; vielleicht sind sie überdiess weder dieeinzigen noch die schönsten, und andere warten noch unter dem Schutt.Die architektonische Behandlung ist hier, wo der Stucco so sehr dasÜbergewicht über den Stein hat, nothwendig eine ziemlich freie; dieGesimse bestehen z. B. aus Hohlkehlen mit Relieffiguren, allein esgeht doch ein inneres Gesetz des Schönen durch. Im Tepidarium, woviele kleine Behälter, etwa für die Geräthschaften regelmässiger Be-sucher, angebracht worden mussten, lieferte die Kunst jenes bewun-dernswerthe Motiv von Nischen mit Atlanten, während wir uns imentsprechenden Fall gewiss mit einer Reihe numerirter Kästchen, höch-stens von Mahagony begnügen würden. Wie glücklich sind an demGewölbe die drei einfachen Farben weiss, roth und blau gehandhabt!Im Calidarium ist das Gewölbe nebst der Wand cannelirt, damit diezu Wasser gewordenen Dämpfe nicht niedertropfen, sondern der Mauerentlang abfliessen sollten.

Doch dieses sind nur eigentliche Bäder, bestimmt für die täglicheGesundheitspflege. Eine ungleich ausgedehntere Bestimmung hattendie Kaiserthermen, welche in Rom und in wichtigen Provincial-städten zum Vergnügen des Volkes gebaut wurden. Diese enthieltennicht nur die kolossalsten und prachtvollsten Baderäume, sondern auchLocale für Alles, was nur Geist und Körper vergnügen kann: Porti-ken zum Wandeln, Hallen für Spiele und Leibesübungen, Bibliotheken,Gemäldegalerien, Sculpturen zum Theil von höchstem Werthe, auchwohl Wirthschaften verschiedener Art.

Von all dieser Herrlichkeit wird man jetzt, mit wenigen Ausnah-men, nur noch die Backsteinmauern finden, welche den innern Kern