40 Architektur. Thermen des Titus und Caracalla.
noch das grosse zehneekige Kuppelgebüudc mit dem irrigen Nameneines „Tempels der Minerva medica“ erhalten, unweit von Porta mag-giore. Welche Function dieser Raum in den Thermen hatte, wollenwir nicht errathen; genug dass schon hier, so bald nach Erbauungdes Pantheons, die entscheidenden Veränderungen im Kuppelbau alsvollendete Thatsache vor uns stehen: die polygone Form zu Gunstendes Anschlusses der untern Nischen, sodass jedoch in der Kuppel selbstdurch den Stuccoiiberzug der Anschein der Halbkugelform beibehaltenwird; merkwürdig ist auch die Ersetzung des Kuppellichtes durchFenster über den Nischen. (Die Mitte der Kuppel, welche seit nichtsehr langer Zeit eingestiirzt ist, erscheint in allen frühem Abbildun-gen als geschlossen.) So war schon um die Zeit von Christi Geburt das fertige Vorbild für die spätem Kuppelkirchen gegeben. — Von dervermuthliclien Bekleidung des Innern mit Säulen und durchgehendenGebülken ist nicht einmal eine Andeutung auf unsere Zeit gekommen.Der jetzt noch hie und da erhaltene Stucco möchte kaum der ursprüng-liche sein.
a Die Thermen dcsTitus und desTrajan, wunderlich durcheinander gebaut, geben in ihren jetzt noch zugänglichen Theilen einenBegriff zwar nicht mehr von der längst ausgeraubten Prachtausstattung,wohl aber von der gewaltigen Höhe der einst wie jetzt dunkeln undauf künstliche Beleuchtung berechneten Gemächer. Der Grundriss ist,soweit man ihn verfolgen kann, der besondern Umstände wegen nichtmassgebend.
Architektonisch die bedeutendsten Thermen sind oder waren die-jenigen des Caracalla. Vier Hauptmotive waren Mer, wie es scheint,unvergleichlich grandios durchgeführt: I) Die grossen, etwas oblongengewölbten Schwimmstile, auf Pfeilern und Säulen ruhend (?) an bei-den Enden, 2) die vordere Halle, der Breite nach von vier Säulen-stellungen durchzogen, 3) der mittlere Langraum (Pinakothek) und4) der hohe runde Aushau nach hinten, von welchen nur die Ansätzevorhanden sind; — zahlreicher Übergangsräume, Anbauten und Aussen-werke nicht zu gedenken. Das Ganze lag so hoch, dass es noch jetztwie auf einer Terrasse zu stehen scheint. Wie sich das obere Stock-werk zwischen und über den Haupträumen liiuzog, ist bei seiner fastgänzlichen Zerstörung schwer zu sagen. Um das Bild des wichtigsten