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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Architektur. Thermen von Bajä.

a Querscliiffes von S. Maria degli Angeli erhalten. liier sind bekannt-lich von den gewaltigen vortretenden Säulen noch acht ursprünglichund aus je einem Stück Granit; von den sie begleitenden je zwei Pi-lastern und dem Gebälk scheinen wenigstens viele Theile alt, und dasKreuzgewölbe, eines der grössten in der Welt, ist sogar völlig er-halten, wenn auch mit Einbusse seiner Cassetten. Auch die Ober-fcnster zeigen noch ihr echtes Halbrund, nur vergypst. Die Neben-räiune, welche dieselbe Stelle einnahmen wie diejenigen in der Pinakothekder Caracallathermen und einst ohne Zweifel ebenfalls durch Vorge-setzte Colonnaden vom Hauptraum getrennt waren, sind durch denUmbau Yanvitellis gänzlich abgeschnitten worden, nachdem noch derUmbau Michelangelos sie geschont und zu Capellen bestimmt hatte.Für die Bildung des Details ist, der allgemeinen Gypsüberarbeitungwegen, nicht leicht einzustehen, selbst an den sieben echten marmornenCapitälcn nicht, welche tlieils korinthisch, theils von Composita-Ord-nung sind. Das Bezeichnende bleibt immerhin, dass möglichst viele Glie-der des Gebälkes und Gesimses in wuchernde Verziermig umgewan-delt sind, und dass die Consolen und ihre Cassetten bei ihrer kleinenund matten Bildung völlig von dem drüber vorgeschobenen Kranzge-simse verdunkelt werden. Ob an den Flachbogen, welche die beidenEingänge des Schiffes bedecken, die Decoration alt ist, können wirnicht entscheiden; in dem jetzigen Chor ist fast Alles modern. Die übrigenRäume sind alles Steinschmuckes entblösst und meist sehr ruinirt.b (Was alsThermen Constantins im Garten des PalazzoColomia gezeigt wird, sind Reste eines gewaltig hohen Gebäudes vonungewisser Bestimmung. Die echten Thermen Constantins sind imXVII. Jahrhundert beim Bau des Palazzo Rospigliosi untergegangen.)c Diesen Kaiserthermen mochten die Bäder vonBajä wenigstensnachgebildet sein, wenn sie auch nicht von Imperatoren erbaut seinsollten. Wir meinen jene colossalen Reste, welche man jetzt alsTempel des Merkur, der Diana und der Venus benennt und welcheoffenbar Thermenräume w T aren. Das gewaltige Achteck des Venus-tempels mit den noch erhaltenen Theilcn der Kuppel erinnert unmittel-bar an die sog. Minerva Medica.

Dagegen besass Mailand , in seiner Eigenschaft als spätere Re-sidenz, wirkliche Kaiserthermen aus der Zeit des Maximian , Mitre-