Buch 
Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
Entstehung
Seite
84
JPEG-Download
 

84

Christliche Architektur. Basiliken. Campanili.

ed Anastasio alle tre fontane, eine halbe Stunde ausserhalbS. Paul. Es giebt aus jener Zeit, welche in Toscana ein Baptisteriumvon Florenz , ein S. Miniato schuf, vielleicht gar kein missgeschaffne'res Gebäude als diese Pfeilerkirche. (Die Fenster sind mit Marmor'platten verschlossen, welche Reihen kleiner runder Öffnungen enthalten.)

Wo der gänzliche Mangel an antiken Säulen die Baumeister schonfrühe genöthigt hatte, mit eigenen Mitteln das Mögliche zu leisten, daerscheinen sie viel selbständiger. End zwar bis an die Tliore vonaRom. Die Cathedrale von Viterbo (XII. Jahrhundert?) mit eigensgefertigten, gleichmiissigen und stattlichen Säulen, bringt auch wiedereinen eigenthümlichen Eindruck hervor; vollends steht die schöneb S. Maria in Toscanella (1206) an Schwung der Formen den edlernctoscanischen Bauten parallel. (Andere Basiliken freilich, in Viterbo selbst, in Montefiascone, Orvieto , Foligno u. s. w. sind sehrd formlos und roh t); der Dom von Xarni und die Vorhalle der dortigenKirche Pensola haben die schon erwähnten wunderlichen Flachbogen.)

Die Campanili (Glockenthiirme) mehrerer Basiliken und auchspäterer Kirchen Roms gewinnen durch ihre schöne landschaftlicheWirkung einen hohem Werth als durch ihre Kunstform. Auch siesind oft aus antiken Trümmern errichtet; manche Simse, welche dieeinzelnen Stockwerke scheiden, die Säulchen, welche die meist drei'bogigen Fenster stützen, auch die Platten von Porphyr, Verde anticou. dgl., welche als harmlose Verzierung in die Wände eingelassen sindund von dem sonstigen Ziegelwerk wunderlich abstechen, sind ausden Ruinen des alten Roms entlehnt. Hie und da entwickelt sich ausdem Backsteinbau selbst durch Verschränkung und Schrägstellung derZiegel ein neues primitives Gesimse. Von irgend einer Verjüngungoder organischen Entwicklung ist keine Rede, kaum hie oder da voneinem Vortreten der Ecken. Der Effect hängt wesentlich von der

D Mit dicken, stämmigen Säulen, schmalen Mittelschiffen, starken Intervallen undschiessschartenähnlichen Oberfenstern, also den unten zu nennenden roherntoscanischen Basiliken verwandt. Das steinerne Dachgesimsc bisweilen schobvon eleganter und kräftiger Bildung, während es in Rom noch null ist.