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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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Romanische Architektur. Florenz .

S. Miniato das vorgothische Kunstvermögen Italiens auf eine so glä®'zende Weise zusammen, dass man die bald darauf folgende Einführungdes gothischen Styles aus dem Norden beinahe zu bedauern ver'sucht ist.

Die betreffenden Gebäude haben wohl sämmtlich kurz vor etum das Jahr 1200 ihre jetzige Gestalt erhalten, eine Annahme,die wir hier die Beweise schuldig bleiben müssen und die mit son^geltenden Zeitangaben im Widerspruch steht,a Das erste derselben ist die kleine Basilica SS. Apostoli in Fl°'r e n z; die Nebenschiffe gewölbt; gleichmässige Compositasäulen trag 6 ®Bogen mit feiner antiker Einfassung; ihnen entsprechen Wandpilaster(mit vielleicht neuern Capitälen); die Cappellenreihen gelten als uf'sprünglicli; ihre Hinterwände laufen schräg, wohl aus Rücksicht ai'firgend eine Bedingung des engen Platzes,b An S. Jacopo in dem gleichnamigen Borgo ist nur eine dr® 1 'cbogige Vorhalle mit Aufsatz, an der Badia bei Fiesoie nur ein io'crustirtes Stück der Fassade aus dieser (letzteres vielleicht aus ein efetwas frühem) Zeit vorhanden; merkwürdig ist hier das besonder 0Gebälkstück (Arcliitrav, Fries und Sims) über den Wandsäulen, ne'ben einer sonst noch ziemlich spielenden Incrustation.d Das Baptisterium S. Giovanni bezeichnet einen Höhepunktaller decorativen Architektur überhaupt. Schon die Vertheilung <l eSMarmors nach Farben im Einklang mit der baulichen Bestimmung de fbetreffenden Stellen (Simse, Flächen etc.) ist hier selbst edler und b®'sonnener als z. B. am Dom <) Vorzüglich schön sind dann in ihr efMässigung die plastischen Details, die Kranzgesimse der drei Stock'werke, die Wandpfeiler, welche im halben Viereck beginnen, im hal'ben Achteck fortfahren und als cannelirte Wandpilaster die BewegUü?in der Attica fortsetzen. Im Innern stehen vor den acht Nischen dErdgeschosses je zwei Säulen, müssig, wenn man will, aber hierbedeutendes Zeugniss eines Verlangens nach monumentaler Gliedern®^'

0 Laut Vasari wäre die Incrustation wenigstens der untern Theile des BaP 1steriums ein Werk des Bombaumeisters Arnolfo, nach 1294. Allein aussaris eigenen Worten schimmert hervor, dass Arnolfo nur das schon V othandenc von entstellenden Zubauten befreite und ergänzte.