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Der Cicerone : eine Anleitung zum Genuss der Kunstwerke Italiens / von Jacob Burckhardt
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136
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136 Gothische Architektur. Dome von Orvieto und Neapel .

Schönheit sind die Portale, ruhiger durchgeführt als die der grosse®Fassade. Freilich übertrifft das einzige Seiten-Portal des Neubauessie alle mit einander.

Der Thurm, offenbar einer der ältesten Theile, macht keine künst-lerischen Ansprüche. Die Zunahme der Fensterbögen nach Stockwer-ken (von 1—6) ist der möglichst naive Ausdruck des allmiiligen Leich-terwerdens der Masse.

a Der Dom von Orvieto , innen eine imposante Säulen-Basilic*mit sichtbarem verziertem Dachstuhl, edel gebildeten Fenstern, Quer-schiff und geradem Chorabschluss, muss um seiner Fassade willenhier beim Dom von Siena erwähnt werden. Als Meister wird LorenzoMaitani von Siena , als Gründungszeit das Jahr 1290 genannt. Di eFassade ist im besten Sinne des Wortes eine veredelte Reproductionderjenigen von Siena . Das plastische gothische Detail, mit welchen 1es doch nie ernstlich gemeint war, wird liier möglichst beschränktund durch Mosaikverzierung und Reliefsculpturcn ersetzt, d. h. dieFläche behält ihr südliches Vorrecht vor dem nur angelernten Schein-organismus. Wenige grosse ruhige Hauptformen genügen hier, un 1einen unermesslichen Reichthum von Farben und Gestalten schön z®umfassen. Auch alle rein baulichen Glieder, die Simse der drei Giß'bei, die wenigen Spitzthürmclien etc. sind ganz mit Mosaikmusternungefüllt, so dass diese Fassade das grösste und reichste polychroma-tische Denkmal auf Erden ist. (Bis auf die Stufen und Prallsteinevor der Kirche.) Bei einer so starken Absicht auf materielle Prachtist die Schönheit der Composition ein doppeltes Wunder. (Die Neben'fassaden und die Säulen im Innern haben abwechselnde weisse unddunkle Marmorschichten. Edle Bildung der Bogenproflle und des Haupt'gesimses im Innern.)

Einen schwachen Nachldang dieser dreigiebligen Anordnung g e 'I) währte einst die Fassade des Domes von Neapel (1299), derß®Nebengiebel jetzt durch Streben mit der liöliern Mauer des Mit'telschiffes zu einer empfindlichen Unform verbunden sind. (Auchdie Giebelsculpturcn zum Tlieil modernisirt.) Im Innern Pfeilerba®